Vorbemerkung.
Die folgende Abhandlung kann nur als ein Bruchstück gelten. Sie gehört in den Zu- sammenhang einer umfangreichen Darstellung des Nachlebens Schillers in seinem Volke, die ich vielleicht einmal, wenn Kraft und Zeit ausreichen, zu veröffentlichen gedenke. Das mag es auch erklären, wenn das Versprechen des Titels nicht ganz erfüllt wird: von der zukunfts- reichsten Bewegung des jungen Jahrhunderts, von der Romantik, ist auf diesen Blättern nicht die Rede, weil ihre Darstellung folgenden Kapiteln vorbehalten ist, zu deren Mitteilung an dieser Stelle der Raum nicht genügen würde.
1.
Wer eine Untersuchung über die Geschichte des Schillerschen Ruhmes unternehmen will, wird vor allem auch einige Worte darüber sagen müssen, wie denn seine Zeitgenossen zu dem Dichter gestanden haben. Da muss man, um nicht ungerecht zu werden, betonen, dass die Mitlebenden das Augenmass nicht hatten und nicht haben konnten, das uns der Abstand cines Jahrhunderts gegeben hat. Noch konnte mancher brave Mann mit den Grossen von Weimar in einem Atemzuge genannt werden, als schüfe er Ewigkeitswerte wie sie, noch konnte umgekehrt die beginnende romantische Kritik meinen, eine deutsche Literatur sei überhaupt noch nicht vorhanden. Im besonderen hatte es auch Schillers Werdegang der Mitwelt nicht leicht gemacht, früh zu einer richtigen Einschätzung zu gelangen. Der edle Wein, den der brausende Most seiner Jugenddramen versprochen hatte, schien auszubleiben; was konnte denn schliesslich die Nation selbst noch nach der Mitte der neunziger Jahre von seiner Entwicklung viel anderes wissen, als dass aus dem so vielversprechenden Verfasser der„Räuber“ ein ausserordentlicher Professor der Geschichte in Jena geworden war!„Wissen Sie wohl, Fräulein Lengefeld tut eine empfindsame Heirat. Es ist ein Jenaischer Professor. Er macht Verse und ist Alchymist“, so sagte der Oberforstmeister Schönfeldt zu Wilhelm von Humboldt¹), und wir werden ihn deshalb noch keinen Barbaren nennen dürfen, beruht doch in der Tat Schillers überragende Bedeutung auf den Schöpfungen des letzten, nicht einmal vollen Jahrzehntes seines kurzen Lebens.
Nun sollte man meinen, dass seit dem Erscheinen des„Wallenstein“ mindestens kein Zweifel mehr über die Geltung seines Verfassers hätte sein dürfen, und ganz unzutreffend wäre das auch nicht. Aber doch hat man das Gefühl, dass die grosse Masse, auch der gebildeten Deutschen, nicht folgen konnte, als sich seit dem Xenienjahre die Fülle der grossen Dichtungen rasch hintereinander ans Licht drängte. Die Zeiten waren damals eben gar anders als heute. Wenn unsere Zeitschriften ihren Ehrgeiz darein setzen, jeder neuen Erscheinung gerecht zu werden, und dabei nur allzuhäufig förmlich nach frischen Sensationen haschen, so nahm man damals die Dinge sehr gemächlich. Es lag im Wesen des Vernunft-


