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Dieſe ausdrücklichen Angaben laſſen mindeſtens das unzweifelhaft, daß an Karls Hof in ſpäterer Zeit die Anſicht herrſchte, Karlmann habe ſeinen Bruder böswillig im Stich gelaſſen“*). Sie haben aber auch an ſich die größte Wahrſcheinlichkeit, wenn man die auch aus dem Bericht der ann. Lauriss. erkennbare Unthätigkeit des jüngeren Bruders während des Aufſtandes mit dem gemeinſamen Auftreten Pippins und des älteren Karlmann gegen ähnliche Verſuche des Ab⸗ falls vergleicht“) und zugleich bedenkt, daß Pippin durch die Theilung Aquitaniens die Brüder offenbar zum gemeinſamen Schutz dieſer Pro⸗ vinz hatte veranlaſſen wollen“). Um aber Karlmanns Benehmen in dieſer Sache erklären zu können, iſt es durchaus nicht nöthig anzuneh⸗ men, Karl habe bei der Theilung ganz Aguitanien erhalten?) ſondern es genügt dazu die Annahme, der Aufſtand, der ja mit der größten Schnelligkeit unterdrückt wurdes), habe ſich nur über das weſtliche, zu Karls Reichstheil gehörige, Aquitanien erſtreckt?), und Karlmann ſei deshalb nicht direct durch denſelben bedroht geweſen. Hierfür ſpricht der Umſtand, daß Karls Zug ſich nach den Quellen auf das weſtliche Aquitanien beſchränkt haben muß*). Wäre auch Karlmanns Reichs⸗ theil berührt geweſen, und hätte dieſer die ernſtliche Abſicht gehabt, ſeinen Bruder zu unterſtützen, ſo konnte er, der ſich in Neuſtrien nahe der aquitaniſchen Grenze aufgehalten hattes), lange vor Karl, der von ſeinen auſtraſiſchen Gebieten her in einem großen Bogen um das Land
¹) vgl. Abel, K. d. G. p. 33. n. 3. gegen Rankes Anſicht.
²) Hahn, Jahrbücher p. 21 ff. Auch jetzt erforderte die drohende Stellung Baierns und der Langobarden ſchleunige Niederwerfung des Aufſtands.
³) vgl. Abel p. 32. ſ. oben p. 81.
*) Ranke, zur Kritik p. 419 meint, bei der feſtſtehenden Theilung Aquitaniens habe die Weigerung Karlmanns keinen Sinn.
⁵³) a. Laur. mai. I. c. vgl. Ranke l. c. p. 420.
*¹) So vermuthet ſchon Fauriel, Histoire de la Gaule meridionale, III, 303.
²) Er ging von Duasdives nach Angouléme(ann. Laur. mai. a. 769), dann über Mornac⸗Saintes a. d. Charente(nach Sickel, Acta II, 17 K. 4, 769 Mai); über die untere Dordogne(Fronciacum, a. Laur. mai. I. c.) bis nach Vasconien. Rückkehr auf demſelben Wege(Urkunde in Andiacum⸗Angeac a. d. Charente, Sickel l. c. K. 5, Juli 769). Die kurze Zeit vom Mai bis zum Juli macht einen Marſch nach Oſten nicht wohl möglich.
¹) Er hielt ſich im Anfang d. J. 769 bis nach der Mitte des Monats März in Neuſtrien auf, Sickel, Acta II p. 12: C. 1 u. 2, Salmunciago, Januar, p. 13; C. 3, 11. Kal. apr. a. 1. C. 4 ebenda, März.


