Aufsatz 
Kritische Beiträge zur Geschichte Karls des Großen (768-771) / von G. Wolff
Entstehung
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36 des Reiches viel lebendiger war als in den neu eroberten, zumal da in jenen Gegenden die Brüder nahe bei einander ihre gewöhnlichen Reſidenzen hatten. Deshalb konnte man hier eben ſowohl nach den Regierungsjahren beider als nach denen des ſpeziellen Regenten da⸗ tiren. Dagegen mochten die Bewohner der ſpäter eroberten Gebiete, weil ſie von jenem Centrum entfernt waren und daher von der Thätig⸗ keit des anderen Bruders wenig merkten, ihren Regenten als ihren alleinigen Herrn anſehen und daher auch nur ſeine Regierungsjahre in ihren Urkunden anführen.

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III. Der aquitaniſche Krieg und der Hader der Brüder.

Ueber die Thätigkeit der jungen Könige haben wir nur ſpärliche Nachrichten, die aber das Eine klar erkennen laſſen, daß die von ihrem Vater erſtrebte Einigkeit in Beziehung auf die äußere Politik unter ihnen nicht beſtand, daß vielmehr ihre Zwietracht den Beſtand des Reiches bald nach Pippins Tod ernſtlich bedrohte. Ueber die Urſachen dieſes unbrüderlichen Verhältniſſes finden wir in den Quellen nur dürftige Andentungen, weshalb neuere Forſcher es auf verſchiedene Weiſe zu erklären verſucht haben. Als feſtſtehend kann gelten, daß die Zwietracht ſchon vor der Thronbeſteigung beſtand und ebenſowohl perſönlicher als politiſcher Natur war.)

Ohne ſichere Grundlage iſt dagegen die Vermuthung,daß Karl⸗ mann das Recht ſeines Bruders auf die Thronfolge beſtritt und die

³) Abel, K. d. G. p. 28. Die Stellung der Worte:Tercia ut de fratris tui insidiis in omnibus Deus te conservavit in dem Briefe Cathuulf's an Karl den Großen(Jaffé, Bibl. IV, 337), wo die beſonderen Glücksfälle in Karls Leben aufgezählt werden, macht dieſe Annahme nothwendig, da die Anord⸗ nung der Unglücksfälle offenbar eine chronologiſche iſt, der Regierungsantritt aber erſt als 4ter Fall aufgeführt wird.