Aufsatz 
Kritische Beiträge zur Geschichte Karls des Großen (768-771) / von G. Wolff
Entstehung
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10 jungen Prinzen an denſelben, beſonders an der promissio Carisiaca, nur bei den im Intereſſe des Stuhls Petri ſchreibenden italieniſchen Autoren ¹) und in den Briefen der Päpſte Stephan III. und Hadrian I. in welchen die Erwähnung derſelben benutzt wird, um den beiden Brüdern, ſpäter Karl allein, ihre dem Stuhl Petri gegenüber einge⸗ gangene Verpflichtung ins Gedächtnis zurückzurufen.) Dies läßt vermuthen, daß die Betheiligung der Prinzen an dem Schenkungsver⸗ ſprechen auf den Wunſch des Papſtes ſtattgefunden hatte, der, ähnlich wie wir dies oben beim Abte von Aniſola bemerkt haben, dem Stuhl Petri den Schutz des Frankenreichs auch für ſpätere Zeiten ſichern wollte. Pippin mochte leicht auf den Wunſch des Papſtes eingehen, da es ja auch im Intereſſe ſeiner erſt vor Kurzem durch Uſurpation auf den Thron gelangten Dynaſtie lag, die Thronfolger ſo früh als möglich an allen Staatshandlungen theilnehmen zu laſſen. Dabei kam es aber auf das Alter der Prinzen gar nicht an, da ja eine thatſächliche Erfüllung ihres Verſprechens von ihnen zunächſt noch gar nicht verlangt wurde. Aehnlich verhält es ſich mit den Briefen, die Papſt Stephan III. in den Jahren 755 und 756 an Pippin und ſeine Söhne zugleich richtet, und in welchen er alle drei zur Unterſtützung des Stuhls Petri aufforderts); auch hierbei iſt an ein ſelbſtſtändiges Handeln der Prinzen gar nicht gedacht; es ſoll nur in denſelben durch öfteres Hinweiſen auf ihre Betheiligung an dem Schenkungsverſprechen

¹) v. Stef. II, bei Murat. Rer. Ital. Sc. III, 1, 168. v. Hadr. I, I. c. III, 1, 186. Ueber das Verhältnis von Leonis Marsicani et Petr. Diac. Chron. Mon. Cas. Pertz 88. VII, 585 zur v. Hadr. I. vergl. Oelsner l. c. p. 130 n. 1.

²) Vgl. die Zuſammenſtellung bei Oelsner, p. 130 n. 15. Vgl. Waitz, Ver⸗ faſſungsgeſchichte III, 81 u. 82. Dagegen die annales Laureshamenses, Lau- bacenses u. Petaviani ad. a. 753 u. 754, Pertz SS. I p. 10 u. 11 erwähnen nur Stephans Reiſe ins Frankenreich, ohne der Schenkung und der Salbung zu gedenken; ebenſo Fredegarii Cont. IV. Bouquet V p. 2. Die ann. Lauriss. maj. ad a. 754, Pertz SS. I, 138 erwähnen nur die Salbung. Die ann. Einh. a. 754, 8S. I, 139 fügen hinzu, Pippin habe ſich vorher zur Vertheidigung des Papſtes verpflichtet, Die Salbung iſt am ausführlichſten behandelt in der Clau- sula de Pippini in regem Francorum consecratione. Bouquet V, 9 u. 10 vgl. Waitz III, 65 n. 3

³) Cod. Carol., ep. 7, 9, 4, 3, bei Jaffé, Bibliotheca rerum Germanicarum t. IV, p. 34 ep. 6, p. 37 ep. 7, p. 43 ep. 8, p. 55 ep. 10. Nach Oelsner l. c. ſollte man meinen, daß Stephan ſein Geſuch nur an die beiden Prinzen richtete, während doch die Namen derſelben nur dem ihres Vaters zugefügt ſind.