Aufsatz 
General Custine in Nassau-Weilburg / Friedrich Woell
Entstehung
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Die vorstehenden Mittheilungen über die Lehrverfassung glaube ich durch einige Bemerkungen vervollständigen zu müssen.

1. Der allgemeine Lehrplan für unsere Gymnasien ist aus den im Laufe von Jahr- hunderten gemachten Erfahrungen hervorgegangen, und er wird im Grossen und Ganzen auch so lange in Geltung bleiben, als die durch die Gymnasialstudien vermittelte höhere geistige Bildung ihren Werth behält. Erfahrungsgemäss stellt er keine zu hohen Anfor- derungen, und selbst weniger begabte Schüler können bei gleichmässigem und ausdauern- dem Fleisse ohne übergrosse Anstrengung die vorgeschriebenen Lehrziele wohl erreichen, vorausgesetzt, dass ein Gymnasium die erforderlichen Lehrkräfte und Lehrmittel besitzt, und dass nicht äussere Umstände wie z. B. überfüllte Classen etc. hindernd entgegentreten.

2. Um den Erfolg des Unterrichts zu sichern, kann den Eltern nicht genug empfohlen werden, ihre Söhne so früb als möglich dem Gymnasium anzuvertrauen und sich nicht zu sehr auf Privatunterricht zu verlassen.Es ist auswürtigen Eltern nicht zu verargen, wenn sie aus ökonomischen oder anderen Rücksichten ihre Söhne länger bei sich zu behalten wünschen und am ganzen Gymnasialcursus einige Jahre zu ersparen suchen, nur sollten sie in der-Wahl-der Lehrer vorsichtiger sein. Zur Wiederholung dieser in zwei früheren Programmen ausgesprochenen und dort begründeten Bemerkung veranlasst mich der Fall, dass hier ein mehrere Jahre privatim im Lateinischen etc. unterrichteter Knabe für die Tertia angemeldet wurde, aber nach seiner Vorbildung in die Sexta verwiesen werden musste.

3. Jede Unterbrechung im regelmässigen Gange des Unterrichts, von welcher Seite sie auch kommen mag, wirkt immer nachtheilig auf die Fortschritte der Schüler, sollte also möglichst vermieden werden; am wenigsten ist sie, auch aus einem erziehlichen Grunde, des Vergnügens wegen gerechtfertigt, indem Gymnasialschüler, die einmal ein öffentliches Amt bekleiden sollen, sich frühe gewöhnen müssen, einem Vergnügen zu entsagen, um einer Pflicht zu genügen.

B. Chronik des Gymnasiums.

(1873.)

Am 1. und 2. September öffentliche Prüfung und Redeact zur Feier des Sieges bei Sedan.

Mittwoch den 8. Oktober Aufnahmeprüfung, Tags darauf allgemeine Versammlung zur Eröffnung des neuen Schuljahres, und am 10. Vormittags 8 Uhr Beginn des Unter- richts.

Am 18. Oktober, zur Feier der Schlacht bei Leipzig, Spaziergang der einzelnen Classen.

Am 24. und 25. Oktober besuchte der Lector am königl. Gymnasium zu Stock- holm, Herr Dr. C. Rogberg, auch das hiesige Gymnasium und wohnte dem Unterrichte in verschiedenen Classen bei.

Sonntag den 2. November(Reformationsfest) betheiligten sich die evangelischen Lehrer und Schüler an der Feier des heiligen Abendmahles.

Vom 21. December 1873 bis 5. Januar 1874 Weihnachtsferien.

(1874.) Vom 9. bis 13. und bezw. am 16. und 17. Februar schrittliche Maturitätsprüfung, zu

welcher 12 Oberprimaner zugelassen worden waren. Bearbeitet wurden folgende Aufgaben: 4