Aufsatz 
General Custine in Nassau-Weilburg / Friedrich Woell
Entstehung
Einzelbild herunterladen

General Custine in Nassau-Weilburg.

Zur Zeit des Ausbruchs der französischen Revolution gab es vier Nassauische Fürsten- thümer: Nassau-Oranien-Dillenburg, Nassau-Saarbrücken, Nassau-Usingen und Nassau- Weilburg. In dem zuletzt genannten regierte der Fürst Friedrich Wilhelm, welcher 1768 geboren, 1788 sich mit Louise Isabella, Tochter des Burggrafen Wilhelm Georg zu Kirchberg, Grafen zu Sayn-Hachenburg, vermählt hatte und seinem Vater 1788 in der Regierung gefolgt war. Als in Frankreich der revolutionäre Geist immer grös- sere Fortschritte machte und Alles umzustürzen drohte, als der Feldzug in die Champagne einen so unglücklichen Verlauf genommen hatte, als endlich der vom Herzog von Biron von Landau aus mit 17,000 Mann abgesandte General Custine in den schwächsten Theil des zerrissenen, ohnmächtigen deutschen Reiches eingefallen war und in den drei Wochen vom 29. September bis zum 21. October das mit Proviant überfüllte Speier, die Städte Worms und Oppenheim und des deutschen Reiches stärkste Festung Mainz, ohne erheb- lichen Widerstand zu finden, genommen hatte: da wurden die geistlichen und weltlichen Herren am Rheine aus der Behaglichkeit des Daseins aufgeschreckt, aber nur um in einen Zustand der Muthlosigkeit zu verfallen, welche bei vielen mit ihrem früheren selbst- herrlichen Auftreten im schroffsten Widerspruche stand.

Von dem mit dem Tode ringenden deutschen Reiche war keine Hilfe zu erwarten und ebenso wenig von anderer Seite, denn Niemand dachte damals daran,den Brand des Nachbarhauses zu löschen, bevor auch das eigene in Flammen stand. Unter solchen Umständen war es dem jugendlichen Fürsten von Nassau-Weilburg, welcher sicherlich unter allen seinen Schicksalsgenossen einen der ehrenvollsten Plätze einnimmt, nicht zu verargen, wenn er mit ängstlicher Sorgfalt Alles mied, was das Unglück heraufbeschwö- ren konnte, alles nur Mögliche that, solches abzuwehren. So hatte er sich in die franzö- sischen Revolutionsangelegenheiten durchaus nicht gemischt, keine Auswanderer aufgenommen, noch denselben irgend welchen Vorschub geleistet, überhaupt aber während seiner ganzen Regierung sich auf das Sorgfältigste bestrebt, seiner reichsständischen Verbindlichkeiten unbeschadet, das gute Einvernehmen mit Frankreich zu erhalten. Als aber schon am Tage nach der Einnahme von Mainz Custine's Oberst Houchard in Frankfurt und in der Wetterau erschien, und vor allen die Frankfurter nicht nur an der eine volle Million be-

1