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Antwort bereit, daß einer, der nicht einmal von Fremdem etwas hergebe, von Eignem nicht ein Salzkörnchen wegſchenken würde. Mir ſcheint es nicht verwunderlich, daß Antinoos noch mehr in Zorn gerät und einen Schemel nach dem Frechling ſchleudert, worauf ſich ſeine Aufregung etwas legt, ſo daß er die Verwünſchung des Bettlers verhältnismäßig ruhig hinnimmt und ihm ſogar nach dem Fauſtkampf mit Iros den Preis ſelbſt überreicht. Auch der andere Führer der Freier, Eurymachos, iſt nicht durchaus ſchlecht, ſondern zeigt ſich 250 ff. als Mann von Ehrgefühl.
Hinſichtlich der Iros⸗Epiſode teile ich nicht die Anſicht Reinhardt's,¹) der meint:„Odyſſeus' furchtbare Rache an den Freiern hat etwas gar zu Grauſiges; um ſie zu motivieren, dient die Iros⸗Epiſode, die den Helden auf der tiefſten Stufe der Erniedrigung, im Kampf mit dem Bettler um das Recht zu betteln, zeigt; daher der entſetzliche Zorn des Odyſſeus gegen die Freier, deren Uebermut ihn in dieſe unwürdige Lage gebracht hat.“ Für unſer modernes Gefühl erſcheint es allerdings höchſt unwürdig, wenn der Held an der Schwelle ſeines eigenen Hauſes mit dem elenden Lumpen ſich balgen muß; aber daß der Dichter den Vorgang wirklich als ſo erniedrigend angeſehen oder die Hörer ihn als ſolchen empfunden haben, iſt mir doch zweifelhaft. Ich finde in der ganzen Darſtellung durchaus keinen Hinweis darauf, daß der Dichter die Prügelei als des Odyſſeus unwürdig betracht hätte; vielmehr ſcheint er ſogar den Vorgang mit einer behaglichen Breite und Ausführlichkeit dargeſtellt zu haben, wie ſich Odyſſeus zum Kampfe fertig macht, wie ſeine kräftigen Glieder zum Vorſchein kommen und wie er mit einem gewiſſen Humor ſich vornimmt, nur ſanft zu ſchlagen; jedenfalls haben die Zuhörer des Dichters über die Niederwerfung des ſchamloſen Bettlers ebenſo herzlich gelacht, wie die Freier. Auch gibt Odyſſeus in ſeinem Verhalten nach dem Kampfe, als er den ohnmächtigen Beſiegten hinausſchafft, durch Nichts zu erkennen, daß er ſich des Vorgangs ſchäme; er läßt ſich im Gegenteil die Glückwünſche der Freier gefallen und nimmt ſie als gute Vorbedeutung für die Ausführung ſeines Plancs.2²) Durch dieſen Hinweis kennzeichnet ſich die Iros⸗Epiſode als ein heiteres Vorſpiel zu dem nachfolgenden Freiermord..
Nachdem ich in Vorſtehendem darzuthun geſucht habe, daß, wenn die Schüler den Homer verſtehen und ſeine Schönheit empfinden ſollen, das Leſen nicht allzu eilfertig vor ſich gehen dürfe, wäre jetzt von der richtigen Ueberſetzung zu ſprechen, durch die der Beweis des Verſtändniſſes erſt erbracht wird. Doch auf eine Behandlung dieſer Frage will ich hier nicht näher eingehen und mich mit dem Hinweis auf Cauer's treffliche Schrifts) begnügen, in der eine große Anzahl Homeriſcher Stellen in geiſtreicher Weiſe überſetzt und beſprochen iſt.
1) Vgl. S. 4 Note 1.— Zeitſchrift für das Gymnaſialweſen. 1894. S. 664. 2) 117: Tatpsv è? zAenSév.. *) Paul Cauer, die Kunſt des Ueberſetzens. Berlin. Weidmann. 1894.


