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charakterlosen Figur eines Vertrauten in der französischen Tragödie erhalte, deren(so!) Schiller in seiner Vorerinnerung zur Braut erwähne.“ 5. Robert Boxberger, Schillers Werke, Berlin, G. Groteé, 1877, Bd. IV. S. XXIV- XL. B. erklärt es für einen sonderbaren Gesichtspunkt, dass man Isabella im christlichen Sinne habe schuldig finden wollen, dass also ihr Unglück gerecht sei. Ihm ist Don Cesar der Verbrecher. In der Idee des Stücks findet B. das Bestreben Schillers durch das in der Handlung waltende Schicksal auf den Verstand zu wirken. Der Schillersche Chor vereinigt nach seiner Ansicht die Vorzüge des Ideal-Typischen des antiken Chors mit dem Persönlich-Charakteristischen der neueren Bühne. Das Stück ist ihm, so gut wie die Jungfrau von Orleans, im wesentlichen eine romantische Tragödie. Die Personen handeln frei, wie der Mensch im Grunde immer die freie That thut, aber die lästige Verantwortlichkeit dafür, wenn ihm sein Glaube oder Aberglaube eine solche Zuflucht offen lässt, gern vermeintlicher unmittelbarer göttlicher Autorität zuschiebt. 4A. F. C. Vilmar, Geschichte der deutschen Nationallitteratur, Marburg und Leipzig,
N. G. Elwert, 1866, S. 498— 499. Ausser dem oben, S. 13, Angeführten tadelt V., dass die Chöre selbst Parteien sind, findet aber in der Hinsicht das Stück bewundernswürdig, dass darin der volleste Glanz und die ganze Pracht der Schillerschen Diktion und somit aller Glanz und alle Pracht unserer modernen Sprache überhaupt entfaltet ist.
7. A. F. C. Vilmar, UÜber Göthes Tasso, Frankfurt a. M., Heyder& Zimmer, 1869. S. 69 findet
sich der von uns S. 16 unten und 17 oben angeführte Ausspruch über die Schuld in Schillers Braut von Messina.
8. Wilhelm Scherer, Geschichte der deutschen Litteratur, Berlin, Weidmann, 1883, S. 604— 608. Die„Braut von Messina“ ist das höchste Werk reiner Kunst, das Schiller hervorgebracht hat. Dumpfer Wahnglaube beherrscht den Fürsten und die Fürstin. Nirgends in diesem Geschlecht zeigt sich ein freier, offener Aufblick zum Himmel. Nur die Dämonen fürchten sie, und nach irdischen Gütern trachten sie, rasch begehren sie, und rasch folgt dem Willen die That. Auch ein gewisser politischer Gehalt fehlt dem Stück nicht; es schildert den Untergang eines gewaltthätigen Geschlechtes, das in einem eroberten Lande nicht Wurzel fassen konnte. Dies das Wesentſichste von Scherers Auffassung..
9. Emil Palleske, Schillers Leben und Werke, Berlin, Franz Duncker, 1872, Bd. II, S. 525— 548. Früher auch der Ansicht sich zuneigend, in Schillers Braut von Messina sei ein falscher Schicksalsbegriff angewandt, ist P. durch ein wiederholtes Studium des Werkes von diesem Glauben zurückgekommen. Schillers Schicksal ist die sittliche Notwendigkeit, aber benannt als verhüllte und blinde; es hat nichts mit dem Spuk der Schicksalsdichter zu thun. Schiller lässt eine äusserst vernünftige, hier freilich furchtbare Weltordnung walten, wie sie den hartsinnigen Personen entspricht.
10. Dr. Karl Hoffmeister, Schillers Leben, Geistesentwickelung und Werke im Zusammenhang,
Stuttgart, P. Balz, 1838, Bd. 5, S. 63— 122. Der Chor mit dem Schicksal sind dem Dichter in der„Braut“ symbolische Mittel zur Erreichung seiner höchsten Ziele. Das Stück hat keinen romantischen, sondern einen rein- menschlichen Stoff. Der Fall des Hauses wird als eine Strafe für eine begangene Missethat dargestellt; die Strafbarkeit der einzelnen Personen mildert die Schwere des Verhängnisses. Die Liebe der Brüder zu Beatrice ist durchaus Schicksalswerk; auch sonst ist der Thätigkeit der Personen ein geringer Spielraum gegeben. Aber im ganzen ist dem Schicksal die psychologische Wahrheit nicht aufgeopfert. In der furchtbaren Selbstverdammung und freiwilligen Auf- opferung des Don Cesar am Schlusse der Tragödie soll sich uns die Heiligkeit des Sittengesetzes und eine Geisteskraft leuchtend offenbaren, an welcher das Schicksal scheitert; aber die Versöhnungsstimme ist zu schwach und vielleicht auch nicht rein und klar genug. Nicht die Schändlichkeit seiner Handlung, sondern nur der Verlust ihres Preises treibt Don Cesar zur Verzweiflung. Die Fürstin fehlt nur darin, dass sie die Macht des Schicksals durch irdische Mittel besiegen will. In Cesars Charakter werden Widersprüche gefunden, Beatrice mit Thekla in Wallenstein verglichen, im allgemeinen wird detaillierte Charakterschilderung vermisst. Beim Chor vergreift sich Schiller in der doppelten Stellung desselben. Die Chorgesänge sind Stimmen der Götter an die Menschen, Worte, vor denen sich jede Erdengrösse beugt und die das Ewige dem Menschen als sein einziges Eigentum zusprechen.
11. Heinrich Düntzer, Schillers Braut von Messina, Leipzig, Ed. Wartig, 1881. Eine wertvolle Arbeit, soweit es sich um die Zusammentragung von geschichtlichen Notizen, Einzelerklärungen u. s. w. handelt, aber ohne Bedeutung für die Grundauffassung. Das Stück sei ein Nebenwerk, dem aber Schiller den Stempel seiner mächtigen Dichternatur aufgedrückt habe, so dass wir darin nicht bloss einen Schatz prächtiger Reden und lyrischer Gesänge, sondern auch eine wohl ersonnene und durchgebildete Dichtung und dazu ein wirksames Bühnenstück besitzen. Dass an die Stelle von Orakelsprüchen Träume getreten sind, dass die Auslegung des Mönches eine arge Zweideutigkeit bietet, dass die Fürstin nur an diesen Traum glaubt, sieht D. als Schwächen in der Anlage des Schillerschen Stückes an. Er findet zu wenig Anknüpfung an die wirkliche Geschichte Siciliens, zu ungenügendes Hervortreten des maurischen Aberglaubens. Die Trennung des Chors in jüngere und reifere Männer scheint ihm dichterisch kaum berechtigt; derselbe sollte auch nicht aus Messinesen, sondern aus Normannen bestehen u. s. w. Düntzers Erläuterung streicht, wie Kraft sagt, in gelehrter Kurzsichtigkeit demselben Dichter, den sie gegen andere verteidigen möchte, doch wieder so grobe Fehler an, dass ihr Schiller geringen Dank für ihren Fleiss sagen würde.
12. Dr. M. Krafft, Schillers Braut von Messina, Cassel, Theod. Kay, 1881. Ein vortreffliches Werk, voll liebevoller Versenkung in den Geist Schillerscher Dichtung, voll reifen Verständnisses, nur etwas zu breit. Vielleicht hat dieser Umstand der wünschenswerten weitesten Verbreitung geschadet. Sonst hätte wohl der Verfasser sein am Schlusse gegebenes Versprechen gelöst bald weitere Bändchen, zunächst eins über Wallenstein, folgen zu lassen.


