Aufsatz 
Über Sophokles' "König Ödipus" und Schillers "Braut von Messina" / vom ... [Wilhelm Wittich]
Entstehung
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sein Fluch gegen jeden, der nicht gehorcht. Als Tiresias' Worte auf ihn selbst als den Mörder hindeuten, da wirft er diesem vor: Ich glaube, du Hast mitersonnen, mitgethan die That und nur Nicht selbst den Mann erschlagen. Wenn du sehend wüärst, Dann würd' ich sagen: dir allein gehört die That. Da droht er diesem, da höhnt er ihn: Der blind an Ohren und an Geist und Augen ist,

da soll nur sein Alter vor schwerster Strafe ihn schützen. Wie überschüttet er Kreon sofort mit seinen Vorwürfen, als dieser naht, um sich zu rechtfertigen gegen das, was Odipus bei Tiresias ausgesprochen. Sterben soll er, nicht von hinnen flieh'n. Als der alte Hirt, der den Knaben dipus einst vom Tode gerettet, jetzt in voller Erkenntnis des furchtbaren Zusammenhangs die Enthüllungen des Boten von Korinth nicht weiter kommen lassen möchte, da gebietet er demselben die Hände auf den Rücken zu binden, da droht er ihm mit dem Tode, wenn er noch länger zögere. Selbstgewisse Klugheit und ein Zorn, der seiner nicht mächtig ist, treten uns überall entgegen, den König uns als schuldig zeigend, wenn auch nicht in dem Masse, wie er leidet, nicht in der ganzen Grösse dessen, was als seine Schuld erscheint. Dass es der Vater war, den er erschlug, wusste er nicht; dass es das Weib des Ermordeten, dass es seine eigene Mutter war, die er freite, kam ihm nicht in den Sinn. Aber dass er eben an diese Möglichkeit gar nicht dachte, das ist die Schuld seiner Selbstüberhebung, und sie wächst und mehrt sich fortwährend im Verlaufe unseres Stückes. Sie ist das Erbstück, das er von Vater und Mutter überkommen. Sie zeigt sich namentlich auch in seiner Verachtung von der Götter Macht.

Wohl giebt er vor die Götter zu ehren und glaubt es auch selbst: Er hat Kreon nach Delphi gesandt, um Apollos Spruch zu vernehmen. Er erklärt:

Doch wenn er anlangt, wär' ich wohl ein schlechter Mann, Vollendet' ich nicht alles, was der Gott gebeut.

Er hat auf Kreons Rat nach Tiresias, dem Seher Apollos, gesandt und empfängt ihn mit der Versicherung des festesten Vertrauens in seine Kunst. Aber als des Sehers Wort ihn als den Mörder bezeichnet, ihm vorwirft, dass er unwissend mit dem Teuersten ruchlosen Umgang pflfege, da öffnet sich nicht sein Auge, da wirft er dem Seher seine Blindheit vor, da schilt er ihn als Zaubermann, als Ränkeschmied, als listenreichen Gaukler, der in Wucher nur scharfsichtig und in seiner Kunst ein Blinder ist. Hat der doch nicht die Stadt von der Sphinx zu erretten vermocht, was er zu thun hätte imstande sein müssen, wenn wirklich des Gottes Geist in ihm wohnte.

Wohl ergreift ihn Sorge vor der Götter Macht, als ihm der Gedanke kommt, er könne doch

des Laios Mörder sein. Was hast du, Zeus, beschlossen wider mich zu thun?

so klingt sein Schreckensruf;

O mög' ich nie, ihr heil'gen Himmelsmächte dort,

Nie diesen Tag schau'n, so fleht er im Gedanken an die Möglichkeit, dass das Orakel doch noch an ihm in Erfüllung gehen könne. Aber als Iokaste, nachdem sie ihm schon einmal vorgehalten, wie Apollo es nicht erfüllt, dass ihr Kind den eignen Vater gemordet, ihn auffordert keinerlei Wert auf das zu legen, was ein Seher gesprochen, da weiss er ihr nur beistimmend einDa denkst du richtig zu erwidern und