— 20—
2. Ein Gang nach dem Glasberg führt uns in das Gebiet des nördlichen Odenwaldvorlandes. Schon von der Rosenhöhe an zeigt der braunrote, lehmige Boden, dass wir uns im Gebiete des Rot- liegenden resp. des Melaphyrs befinden. Im Einschnitte der Oden- waldbahn sind Schieferletten und Sandsteine des Rotliegenden zu beobachten. Den wichtigsten Baustein Darmstadts— früher noch mehr wie jetzt,— den Melaphyr, lernen wir in den grossen Steinbrüchen am Glasberg kennen. Bei einiger Aufmerksamkeit erkennt man, dass mehrere Melaphyrströme übereinander liegen. Innerhalb der einzelnen Ströme lässt sich ein dichtes Gestein von einem- grossporigen, blasenreichen unterscheiden. Sind die Poren ausgefüllt(meist mit Kalkspat oder Schwerspat), so wird das Gestein als„Mandelstein“ bezeichnet. Hierbei sollte darauf hingewiesen werden, dass der gesamte Melaphyr von Darmstadt nicht mehr frisch, sondern schon zersetzt ist(im Gegensatz zu dem Melaphyr von Rheinhessen). Das bei der Zersetzung ent- standene Roteisen bedingt die rote Farbe der Melaphyrböden. Das Gebiet des Melaphyrs breitet sich, ebenso wie das Rot- liegende, östlich des Darms aus über die Rosenhöhe, den heiligen Kreuzberg und weiter durch den Park nach Nordosten.
3. In den Tongruben am Karlshof lernt man das Tertiär kennen. Bunt gefärbte Tone, der jüngsten Tertiärzeit ange- hörend, werden hier gewonnen und technisch verwertet(Ziegelei). Gelegentlich sind im östlichen Teile der Grube Kalk- und Letten- schichten angeschnitten, die zahlreiche Versteinerungen(Schnecken und Muscheln) enthalten; sie gehören dem mittleren Tertiär an. Die gesamten Tertiärschichten bilden einen schmalen Streifen, der etwa vom Karlshof über den Kalkofen bei der Dianaburg nach Norden zieht. In der Stadt sinkt das Tertiär steil in die Tiefe; erbohrt wurde es im Alicebad(Mauerstrasse) bei 32 m. Westlich der Tongruben am Karlshof wird das Tertiär von einer nord-süd verlaufenden Verwerfung(Rheintalspalte) abgeschnitten.
4. Der letzte Ausflug ist der Ebene und dem Diluvium, insbesondere dem Studium des Flugsandes gewidmet. Zwar konnte schon bei den früheren Ausflügen auf den älteren Gesteinen eine Flugsandhülle öfters beobachtet werden; die eigentliche Flugsand- landschaft lernt der Schüler erst bei einer Wanderung nach Westen(Griesheim, Weiterstadt) kennen. Zu achten ist hierbei auf das Korn des Sandes, auf die grosse Trockenheit infolge der Durchlässigkeit des Wassers, die leichte Beweglichkeit durch den


