Aufsatz 
Heinrich Wiskemann's Untersuchungen über den römischen Schauspieler Q. Roscius Gallus
Entstehung
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persönlichen Umgang die Liebe und Achtung seiner Mitbürger in so hohem Grade erworben hatte, dass Cicero ¹4) kurz nach dem Tode desselben die schönen Worte sprach: Quis nostrum animo tam agresti et duro fuit, ut Rosci morte nuper non moveretur? Qui cum esset senex, tamen propter excellentem artem ac venustatem videbatur omnino mori non debuisse. Zwar nahm nach Roscius die Pracht der Spiele zu, aber mit derselben auch die Verderbniss der scenischen Kunst, welche ohne Zweifel zugleich durch den Umstand beschleunigt wurde, dass nicht mehr ein Künstler wie er an der Spitze stand. Hatte früher schon ein Cl. Pulcher die Bühne mit Gemälden aller Art ausgeschmückt ²), hatte Q. Catulus die Bühnenwand mit Elfenbein, C. Antonius, Murena, L. Lent. Spinther mit Silberplatten, Petrejus sogar mit Gold belegen lassen ³), so steigerte sich kurz nachher der Aufwand noch weit mehr. Auf der Bühne des, von M. Aem. Scaurus im J. 58 erbauten Theaters befand sich eine aus 360 Säulen von je 48 Fuss Höhe, zwischen denen 3000 cherne Bildsäulen standen, bestehende dreifache Colonnade, deren tiefste eine marmorne, die mittlere eine gläserne, die dritte eine vergoldete Wand im Hintergrunde hatte*). Bei den Spielen des Pompejus im Jahre 55 v. Ch. erschienen in der Clytemnestra 600 Maulesel, in dem Equus Trojanus 3000 Cratere auf der Bühne), um der goldgestickten Kleider, der kostspieligen Scenerie, der theuern Wohlge- rüche, der Schirme, mit denen die Zuschauer gegen die Sonnenhitze geschützt wurden, der Vorrichtungen, welche, um Staub und Hitze fern zu halten, einen Staubregen verbreiteten 5), um ferner der bei nächtlicher Beleuchtung?) und unglaublichen Zurüstungen gegebenen Spiele in der Kaiserzeit nicht einmal zu gedenken ³). Und dennoch erwarben sich die grossartigen Spiele des Pompejus nur frostigen Beifall, die Erinnerung an den Roscius aber, das An- denken an die innere Freude, an die wahre Erhebung, welche einst sein Spiel gebracht, war noch nicht erloschen, als fast ein halbes Jahrhundert entschwunden und die, welche ihn einst bewundert hatten, selbst an der Grenze des Alters angelangt waren*).

läufig. Dennoch haben auch über die Wirkung unseres Theaters viel gesprochen Sulzer, Lessing, Goerh e, Schiller, der letzte besonders in der Rede: die Schaubühne als eine moralische Anstalt betrachtet.

¹1) Pro Arch. poet.§. 17.

) Wie Plin. XXXV, 7 erzählt, wurden die Vögel durch sie getäuscht.

³) Val. Max. II, 4, 6; Plin. XXXIII, 16; pro Muren c. 19.

4) Plin. XXXVI, 2 u. weitläufig§. 113 ff., wo zugleich von dem doppelten Theater des Curio die Rede ist, welches in ein Amphitheater verwandelt werden konnte. Wandelbare Decorationen, scenae versatiles, hat- ten früher schon die beiden Luculler eingeführt.) Ad. div. VII, 1.

²) Ovid A. A. 1, 104; Prop. IV, 1, 15; Lucret. IV, 73; II, 416; Horat. ep. II, 1, 79; 204 divitiae peregrinae; Liv. VII, 2 nennt die Pracht vix opulentis regnis tolerabilem insaniam.

7) Suet. Cal. c. 18. 8) Eine solcher scenischen und musikalischen Aufführungen erwähnt Vopisc.

Carin. c. 19. Vieles hierher Gehörige findet sich namentlich bei Dio Cassius.

*) Horaz, Ep. II, 1, 79 ff.