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vorzugehen scheint, dass Roscius nicht zuerst die Masken gebraucht habe. Es sind dies einige Zeugnisse, die man theils übersehen, theils falsch erklärt hat, immer von der vorge- fassten Meinung ausgehend, Roscius habe schielende Augen gehabt und sei ihretwegen der erste gewesen, der Masken getragen. Das erste jener Zeugnisse findet sich bei Donat de trag. et comoed. und lautet: Personati primi egisse dicuntur comoediam Cincius et Fali- scus: tragoediam Minutius et Prothonius ¹1)y. Man meint ²), die genannten Schauspieler hätten erst nach Roscius gelebt, aber wie könnten sie in diesem Falle zuerst in der Maske auf- getreten sein, wenn schon Roscius zuerst maskirt aufgetreten war? Die Art, wie man sich aus dieser Schwierigkeit hilft, ist einigermassen bemerkenswerth. Man sagt nämlich, Roscius habe zwar zuerst die Masken genommen, aber jene vom Donat genannten Schau- spieler hätten immer maskirt gespielt und die Verbreitung der Maske veranlasst, wovon doch gar Nichts da steht und was auch nicht wahr ist, da man selbst nach Roscius nicht immer in der Maske spielte. Ich denke, es ist unter diesen Umständen das Beste, anzuneh- men, dass jene Schauspieler wirklich zuerst und Roscius erst lange nach ihnen maskirt aufgetreten ist, eine Meinung, die noch durch ein übersehenes ausdrückliches Zeugniss des Donat in der Vorrede zu den Adelphen des Terenz vollkommen bestätigt wird, wo es heisst: Haec sane acta est ludis scenicis funebribus L. Aemilii Pauli: agentibus L. Ambivio et L. Turpione, qui cum suis gregibus etiam tum personati agebant ³). Fast klingt der Ausdruck so, als hätte schon Donat die Ansicht, dass Roscius seinen Augenfehler durch die Maske zu verdecken gesucht habe, widerlegen wollen. Doch könnte das etiam tum auch darauf ge- hen, dass, wie vorher nach Donat berichtet wurde, Minutius Protimus zuerst in der Maske aufgetreten war and dass Ambivius und Turpio bei der Aufführung der Adelphen ein Glei- ches gethan hätten. Uebrigens wird mein Beweis, wenn es dessen noch bedürfte, ausser den eben vorgebrachten direkten Zeugnissen noch durch die oft missverstandenen Worte Ci- cero's de orat. III, 59, 221 verstärkt, welche so lauten: Sed in cre sunt omnia. In eo autem ipso dominatus est omnis oculorum; quo melius nostri illi senes, qui personatum ne Roscium quidem magnopere laudabant. Man hat, dies ist der Sinn der Worte, nicht einmal den Ros- cius, trotz seines so vollendeten Spiels, in der Maske am bewundernswürdigsten gefunden, man hat ihn noch mehr bewundert, wenn er ohne Maske auftrat, weil man alsdann den gan- zen Ausdruck seines Antlitzes, sein ganzes Mienenspiel ohne Verhüllung schauen konnte. Wir sehen hieraus, Roscius legte nicht seines eignen Spiels wegen die Maske an, denn das
¹) Wolff de cantic. p. 24 will Cincius Faliscus und Minutius Protimus gelesen wissen. Letzterer wäre dann wohl nicht der Sohn sondern derselbe, der in der Didaskalie zu den Adelphen erwähnt wird. 2) So Reuvens, Lange und Wolff. Ebd.
²) Diese Leichenspiele zu Ehren des Aem. Paullus waren 160 v. Ch., also ungefähr 45 Jahre früher al⸗ Roscius zum ersten Male auftrat.


