Aufsatz 
Rede bei der Sedanfeier am 2. Sept. 1873
Entstehung
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II. Als Beigabe: Nede des Directors bei der Sedanfeier am 2. September 1873.

Ich glaube nicht nöthig zu haben, meine lieben Schüler, Euch erſt zu ſagen, was die Veran⸗ laſſung dazu iſt, daß unſere Schule, aus ihrer gewohnten Stille und Verborgenheit heraustretend, mitten im Schuljahre an dieſem Orte und unter den Augen dieſer hochachtbaren Verſammlung eine Feier veranſtaltet hat, wie ſie in früherer Zeit herkömmlich nur am Ende des Schuliahres ſtattzufinden pflegte. Der Name, den das in Euren Händen befindliche Programm unſrer Feier giebt, ſagt Euch, daß der heutige Tag dem Gedächtniß jenes zum drittenmale wiederkehrenden 2. Septembers geweiht iſt, an wel⸗ chem nach der dreitägigen blutigen Schlacht bei Sedan der Kaiſer Napoleon ſeinen Degen dem ſieg⸗ und ruhmreichen Führer unſrer deutſchen Heere zu Füßen legte und ſich und ſeine Armee demſelben in die Gefangenſchaft übergab.

Nun laſſen ſich zwar immer aufs Neue Stimmen hören, welche gegen die Feier des heutigen Tages, die ſich mehr und mehr zu einer Nationalfeier des ganzen deutſchen Volkes zu geſtalten beginnt, Widerſpruch einlegen.

Die Einen ſagen, man ſolle überhaupt die Erinnerung an den letzten Krieg, der doch immer⸗ hin, wie jeder Krieg, ein furchtbar wüthend Schreckniß geweſen ſei, ruhen laſſen, ſtatt ſich immer wieder das gräßliche Schauſpiel des maſſenhaften Mordens und Blutvergießens vor Augen zu führen, ſich lieber dem beglückenden Gefühl des wiedergewonnenen Friedens hingeben, und ſtatt durch Siegesfeſte den nie⸗ delgemotfenen Feind zu neuer Kampf⸗ und Racheluſt zu reizen, ihm die Hand zur dauernden Verſöh⸗ nung bieten.

Die ſo ſprechen, mag nun die Urſache ihres Widerſpruchs angeborne Engherzigkeit und Zag⸗ haftigkeit ſein, oder mögen ſie mit ſolchen friedensſeligen Worten nur ihre kalte Gleichgültigkeit oder gar ihre geheime Feindſchaft gegen unſre nationalen Errungenſchaften klüglich verhüllen wollen, denen ant⸗ worten wir: Wahrlich, auch wir gedenken des furchtbaren Krieges vom Jahre 1870 nicht, um uns an dem leider von ihm ſo wenig, wie von jedem Krieg unzertrennlichen Blutvergießen zu ergötzen; auch wir gedenken ſchmerzlich der Opfer, die er uns gekoſtet, und legen heute in Gedanken friſche Ehrenkränze auf die Gräber unſrer Lieben, die in fremder oder heimiſcher Erde ihren Ruheplatz nach heißem und ſchwerem Tagewerk gefunden haben. Aber wenn wir auch die Verluſte, die unſer Volk und unſer Herz erlitten hat, ſchmerzlich empfinden und wehmüthig betrauern, ſo beklagen wir ſie doch nicht, weil wir wiſſen, daß ſie der unvermeidliche Preis geweſen ſind, um den allein wir den hohen Gewinn des Sieges und ſeine hochherrlichen Folgen einlöſen konnten. Darum wollen wir uns denn die heutige Feier nicht durch altkluge oder mißgünſtige Einſprache nehmen laſſen; und wenn unſre weſtlichen Nachbarn ſich durch dieſelbe verletzt oder gereizt fühlen, dann mögen ſie bedenken, daß wir nicht die Veranlaſſung zu dem blutigen Entſcheidungskampf gegeben haben und auch fernerhin als ein Volk, das den Frieden liebt und keine Händel ſucht, eine ſolche Veranlaſſung nicht geben werden. Sie mögen ſich aber von jetzt an auch an den Gedanken gewöhnen, daß ſie eine ebenbürtige Nation zum Nachbar haben, die ihr Verhal⸗ ben nicht zuhr von fremden Winken und Befehlen, ſondern von ihren eigenen Zielen und Intereſſen ab⸗

ängig macht.

Andere wollen behaupten, der 2. September eigne ſich um deswillen nicht zu einer Siegesfeier,