Aufsatz 
Verteidigung der Vulgata in Platonis Rep. IX, cap. 9 / von Wilhelm Weigand
Entstehung
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11. Weitere Erfahrung über die Verbindung von ſ. g. Realklaſſen mit dem Gymnaſium.

Als die hieſige Lehranſtalt die oben gedachte Verbindung, faſt ohne allen Vorgang, projectirte und veranſtaltete, da machten viele Gelehrten und Ungelehrten bedenkliche Mienen dazu. Wir ſelbſt haben uns die Schwierigkeiten am Anfange wie im Fortgange in der jährlich erſcheinenden Schulſchrift nicht verhehlt, ſelbſt mißbilligende Stimmen dar⸗ über erwähnt und beſprochen. Es wird darum nicht bloß erlaubt ſein, ſondern ſogar auch eine Pflicht, in der Chronik des Gymnaſiums die Stimmen niederzulegen, welche für das Wageſtück ſprechen und nicht nur die Möglichkeit, ſondern auch eine allge⸗ meinere Zweckmäßigkeit unter gewiſſen unabweislichen Verhältniſſen ſowie die von mir früher ausgeſprochene Vermuthung(daß aus der Oppoſition der Parteien ſich ein drittes Allgemeinere geſtalten werde) beſtätigen.

1) Primo loco iſt hier zu erwähnen, was ſchon ſeiner Zeit die Wormſer Zeitung dem nächſten Publikum zuvorkommend berichtete, daß nämlich Hr. Regierungsrath ꝛc. Dr. Seebode, eben ſo als gründlicher Philologe denn als practiſcher Schulverwaltungs⸗ Beamte und beſonders auch als Freund des Volksſchulweſens berühmt, am 27. Juni d. J. unſere Anſtalt einer genaueren Einſichtsnahme würdigte, namentlich die über fragliche Verbindung gemachten Erfahrungen in der Abſicht einzog, um in dem durch muſterhafte Schulpflege ausgezeichneten Naſſau ähnliche Anſtalten zu veranlaſſen, wo Verhältniſſe ſie wünſchenswerth erſcheinen laſſen. Die Anweſenheit des durch tiefe Einſicht und reiche Erfahrung in ſo hohem Grade ausgezeichneten Mannes ließ bei Lehrern wie Schülern die erfreulichſten Eindrücke zurück.

2) Hienächſt verdient hier Erwähnung eine Zuſchrift des Hrn. Directors Brandt zu Emden im Königreich Hannover, welchem meine Antwort nachfolgt, da ſie mitunter Umſtände beleuchtet, deren Erörterung manchem Freunde der Anſtalt vielleicht nicht un⸗ willkommen iſt.

mc. Durch Ihren Aufſatz im 7. Jahrg. der pädag. Revue bin ich auf die Erweite⸗ rung des Gymnaſiums zu Worms durch eine ausgedehntere Berückſichtigung des ſ. g. Realunterrichtes aufmerkſam geworden. Das hieſ. Gymnaſium befindet ſich in demſelben Falle, wie das Ihrige, und ich ſtehe nach Ihren Aeußerungen ganz auf denſelben Grund⸗ ſätzen, ich ſtrebe nämlich, ohne Beeinträchtigung des eigentl. Gymnaſialprincips, die hieſ. Anſtalt immer mehr in den Stand zu ſetzen, eine völlig ausreichende Bildung für die Nichtſtudirenden, bei uns vorzugsweiſe die künftigen Kaufleute und Seefahrer, zu gewähren. Für die nächſte Zukunft ſteht derſelben eine bedeutende Annäherung an dieſes Ziel bevor. Es liegt mir daher ſehr daran, durch die Vergleichung deſſen, was an