Aufsatz 
Über Oberflächengestaltung im Spessart
Entstehung
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5. Ueber die Rückverlegung der Stufen im Spessart.*)

Wir haben den Spessart als ein in Stufen ansteigendes Gebirge kennen gelernt. Wenn wir den Bruchrand des kristallinen Spessarts ersteigen und ostwärts gehen, 80 kommen wir zur Stufe des unteren Buntsandsteins. Der Stufenrand ist von Bächen, die an den Schichtenköpfen entspringen, in grössere und kleinere halbinselartig in das Grundgebirge vorspringende Stücke zerteilt. Solche Bunt- sandsteinhalbinseln werden im Laufe der Zeit ganz losge- löst und bilden dann Buntsandsteininseln im Grundgebirge. Als Beispiele können Klosterberg, Gräfenberg und Bisch- ling gelten. Diese losgetrennten Stücke sagen uns, dass die Stufe einst eine andere Lage hatte, dass sie also zurück- verlegt wurde. Da das Sedimentgebirge den ganzen Vor- spessart bedeckte(siehe Tektonik), so muss die Stufe des unteren Buntsandsteins mit der Bruchstufe gegen die Unter- mainebene hin zusammengefallen sein. Sie ist daher im Laufe der Zeit eine ganz bedeutende Strecke zurückverlegt worden. Wir suchen nach den Kräften, welche diese grosse Arbeit bewältigt haben. Man wird sofort an das Tertiär- meer denken, das den Spessart bis über Aschaffenburg hinaus bespült hat. Das Nivcau des Miocänmeeres und das des Pliocänsces lag unter 300 m Meereshöhe. Da die alte Rumpffläche eine Höhe von ca. 350 m hatte, so dürfte die brandende Meereswelle die Schichtentafel nicht erreicht haben. Dazu kommt noch, dass nördlich von Aschaffen- burg der Quarzitaug des 400 m hohen Hahnenkammes einen Damm gegen die zerstörende Wirkung der Meeres- wellen bildete. Die Blosslegung des Grundgebirges im Vorspessart, also die Rückverlegung der Stufe, hat sehr wahrscheinlich nichts mit dem Meere zu tun. Es waren genau dieselben Kräfte, die auch heute noch die RKRück- verlegung veranlassen. Wir betrachten diese Kräfte noch etwas näher. Am Eichenberg schneiden nördlich die Sommerkahl und südlich der Sailaufbach tief in die Schichtentafel des Hochspessarts ein. Sie verlegen ihre Quellen immer weiter rückwärts und schliesslich treffen die beiden Täler zusammen. Haben sie das liegende Grund-

*) Ueber die Entstehung der Stufenlandschaft vergl. Jäãger: Ueber Oberflächengestaltung im Odenwald, Heidelberger Inaugural-Dissertation 1904, Kap. 5.