1. Der geognostische Aufbau und die Tektonik des Spessarts.
Der Spessart ist ein Glied des ostrheinischen Gebirgs- zuges. Dieser ist durch die Kraichgausenke schr deutlich in zwei Teile getrennt. Den südlichen Teil bildet der Schwarzwald. Der nördliche zieht vom Neckar bis zum Thüringer Wald und ist durch die Durchbruchstäler vom Neckar und Main in zwei Teile geschieden. Der zwischen Neckar und Main liegende Abschnitt wird als Odenwald und das jenseits des Mains innerhalb des Mainvierecks lie- gende Stück als Spessart bezeichnet. Eine so ausge- sprochene orographische Grenze, wie zwischen Schwarzwald und Odenwald, findet sich hier nicht. Die Buntsandstein- schichten des Spessarts bilden die Fortsetzung derjenigen des Odenwaldes, sie sind nur vom Maine durchsägt worden.
Den Untergrund dieses Gebirgszuges bildet ein Teil der denudierten kristallinen Zone eines im Mittelkarbon aufgefalteten alpenähnlichen Gebirges, das von E. Suess als Varistisches Grundgebirge bezeichnet wurde.
Auf der Denudationsfläche(KRumpffläche) des Varisti- schen Gebirgsrumpfes kamen dann paläozoische und meso-— zoische Sedimente zur Ablagerung. Durch die Bildung des Rheingrabens und durch die Abtragung der Sedimente wurde das Grundgebirge wieder blossgelegt, so dass wir an den beiden Abschnitten des ostrheinischen Gebirgszuges zwei geologisch und orographisch verschiedene Teile, nämlich Grundgebirge und Sedimentgebirge, zu unterscheiden haben. Das Grundgebirge, das die Hauptmasse des Schwarzwaldes bildet und im Odenwald die Hälfte ausmacht, ist im Spessart nur in einem schmalen Streifen blossgelegt. Dieses Stück des alten Gebirgsrumpfes bezeichnet man als den kristal-— linen oder Vorspessart, im Gegensatz zu dem Bunt-— sandstein- oder Hochspess. art. Unsere Aufgabe wird sein, die Oberflächenformen dieser beiden Teile zu be-— schreiben und zu erklären. Da dieselben in engster Be- ziehung zur Beschaffenheit des Gesteins und zur Lagerung desselben stehen, wird es zweckmässig sein, zuerst die Ge-— steine, die den Boden des Spessarts bilden und die Lage- rungsverhältnisse kennen zu lernen. Am Aufbau des Spes- sarts beteiligen sich archäische, permische, mesozoische und vulkanische Gesteine. Wir betrachten sie am besten nach ihrer Altersfolge.


