Aufsatz 
Zur Geschichte der Heimsuchung und Zerstörung der freien Reichsstadt Worms durch die Franzosen in den Jahren 1688 und 1689 : nebst einer Berechnung des dadurch verursachten pecuniären Schadens : nach noch vorhandenen handschriftlichen Berichten, theils in Prosa theils in Versen, durch den Druck veröffentlicht / von Wilhelm Wiegand
Entstehung
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er auch Weigand mit Unrecht, wenn dieſer in ſeinem Wörterbuche die ſtarke Beugung der Mehr⸗ zahl vom Wort Menſch in edler Bedeutunggeradezu eine unrichtige nennt. Es hat bei dem fragl. Worte der Proceß ſtattgefunden, den man mit Max Müller(Essays, Bd. III, S. 254 der deutſchen Ueberſ.) mit einem der Geologie entlehnten Ausdrucke einen metamorphiſchen nennen kann Er beſteht hauptſächlich darin, daß man die Wörter, deren eigentliche Bedeutung nicht mehr verſtanden wird, eine leichte Veränderung erleiden läßt, gewöhnlich mit dem Zweck, ihnen wiederum einen verſtändlichen Sinn zu verleihen.

Von den in den früheren Programmen genannten Druckſchriften des Directors wurden bezw. anerkennend erwähnt:

1)Prof. Dr. Friedrich Oſann im Leben wie im Wirken das Bild eines Humaniſten, Gießen 1859, in dem Nomenclator philologorum von Hrn. Director Fried. Aug. Eckſtein, Leipzig 1871 unter Namen Oſann; 2)Eudoxia, Gemahlin des oſtröm. Kaiſers Theodoſius II, ein culturhiſt. Bild zur Vermittlung des Humanismus und des Chriſtenthums, Worms in der Kräuter'ſchen Buchh. 1871, in den Heidelb. Jahrb. 1871, S. 533; im Allg. liter. Anzeiger für das evangeliſche Deutſchland, December-Heft 1871, S. 441; in dem zu Leipzig bei Brock⸗ haus erſcheinenden Blättern für literar. Unterhaltung 1872*), mit Uebergehung der kürzeren An⸗ zeigen der Darmſt. Ztg. und der Didaskalia. 3)Einleitung in Plato's Gottesſtaat, Beilage zum Progr. 1862, in den Heidelb. Jahrb. 1871, S. 136; 4) Verdeutſchung von Plato's Gottesſtaat, Beigabe zum Progr. 1870, zugleich Feſtgabe für die auf Pfingſten desſelben Jahres in Worms tagende Verſammlung mittelrh. Gymnaſiallehrer, in der Didaskalia 1870, Nr. 222, ſowie auch in dem zu Leipzig erſcheinenden Literar. Centralblatt für Deutſchland 1870 S. 944 und be⸗

ſonders in den Heidelb. Jahrb. 1871, S. 381.

*) Da der Vf. dieſer Recenſion, Herr Albert Weigert, der Idee des Schriftchens am nächſten gekommen iſt und ſowohl meinem philoſophiſchen wie religiöſen Standpunct, ohne Zeuge meiner langjährigen Thätigkeit geweſen zu ſein, volle Gerechtigkeit widerfahren läßt, was in einer Zeit des aufgeregteſten Parteihaſſes nicht hoch genug angeſchlagen werden kann: ſo werden beſtimmte Beziehungen entſchuldigen, wenn wir eine Stelle daraus hier folgen laſſen:Der Vf. nennt ſeine Studie auchein culturhiſtoriſches Bild zur Vermittlung des Humanismus und des Chriſtenthums, und ſeine Arbeit iſt in der That ein intereſſanter Beitrag zur Löſung dieſer brennenden Frage. Die Kluft zwiſchen Humanismus und Religion im Sinne der Glänubigen, zwiſchen Wiſſenſchaft und Chriſtenthum, zwiſchen Materialismus und Idealismus iſt in der Neuzeit eine unheilvoll tiefe geworden, und wir begrüßen freudig jeden Verſuch zum Ausgleich, von welchem Standpuncte aus er auch immer unternommen werde. Der Verfaſſer läßt nun ſeinen Leontius, den dem Heidenthume nur noch äußerlich angehörigen Lehrer der neuplatoniſchen Schule mit erhabener Beredſamkeit den geiſtigen Gehalt der großen griech. Philoſophen in einer Weiſe darſtellen, daß wir ihn(geiſtigen Gehalt) wiederfinden in den chriſtlichen Lehren und in deren innerſtem Inhalt gewiſſermaßen nur den geiſtigen Fortſchritt und die höhere und reinere Auffaſſung der Klärung und Entwicklung der Zeit erkennen. Damit iſt der ethiſche Boden des Chriſtenthnms von deſſen kirchlichen Dogmen getrennt und als über jede Skepſis erhaben hingeſtellt. Dem Tadel, daß das novelliſtiſche Gewand zu einfach zugeſchnitten ſei, um die Schwere des Inhalts in gefälliger Weiſe zu verdecken, will ich nicht entgegnen, daß mir der Inhalt mehr als die Form galt, zumal da dieſem Tadel dieſe Anerkennung vorausgeht:Es iſt nicht zu leugnen, der Vf. verräth eine tüchtige Beleſenheit in der griechiſchen Literatur Seine Schilderungen der Culturzuſtände, ſeine Wiedergabe der philoſophiſchen Syſteme ſind ein ſprechender Beweis, daß er mit philoſophiſcher Gründlichkeit in die Tiefen der griechiſchen Klaſſiker eingedrungen iſt. In magnis voluisse sat est.