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1790). Fand er nicht in Mainz an G. Forſter den Freund, mit dem er ſeine erſte größere Reiſe nach den Niederlanden, nach Frankreich und England machte und von welchem ſein angeborner Trieb zu dem nachherigen Beſuchen und Durchforſchen der fernſten Länder angefacht wurde?— Ueber⸗ laſſen wir jedoch den Männern von Fach die Verherrlichung des nach den fernſten Höhen Europa's, Aſien's und Amerika's wandernden unermüdlichen Naturforſchers, welcher, als ein andrer Plinius, ſeine und aller Vorgänger erfahrungsmäßig erkannten Forſchungen in ſeinem Kosmos, wie in einem Brennpunkte, allgemein verſtändlich zur klaren Anſchauung eines Naturganzen zu vereinigen verſtanden hat.— Ich muß mich hier darauf beſchränken, nur einen Hauptzug des außerordentlich vielſeitigen Mannes und Gelehrten zu wiederholen, welchen ich bereits im Wormſer Programme 1855(in dem ich eine encyklopädiſche Ueberſicht der Naturwiſſenſchaften und ihrer Geſchichte verſuchte) hervorgehoben habe. Neben ſeinen unzähligen Verdienſten iſt A. von Humboldt auch der verſöhnende Vermittler des Wiſſens der alten und neuen Welt, der antiken Philologie einerſeits und der exacten Wiſſen⸗ ſchaften andrerſeits: u. a. iſt durch ſeine im Kosmos Bd. I, S. 384 ausgeſprochene Erklärung, daß die Sprachen ein Theil der Naturkunde des Geiſtes ſeien, die früher anſcheinende große Kluft zwiſchen alten und neuen Sprachen ausgefüllt; ferner bei ſeinem raſtloſen Streben, auch die kleinſten der Naturerſcheinungen als Theile eines großen Ganzen aufzufaſſen, hat er in ſeinem Kosmos, Bd. II., S. 6 ff. das feinſte Gefühl für die Ausdrücke tiefer Natur⸗Empfindungen in den dichteriſchen Darſtellungen der alten Griechen und Römer auf eine Weiſe offenbart, ſo daß dieſen Abſchnitt ſowie die Würdigung der mitunter von andern Naturkundigen verächtlich behandelten alten Forſcher(Plato, Ariſtoteles, Plinius u. ſ. w.) kein wahrer Philolog ungeleſen laſſen kann.
Ich übergehe noch manches hier Erwähnungswerthe, obgleich es nicht allgemein bekannt ſein dürfte, wie nämlich A. von Humboldt mit ſeinem Bruder Wilhelm von den tüchtigſten Lehrern (worunter ein Campe, ein Philolog Kunth, der Platoniker Löffler) ſorgfältigſt ſowohl auf dem Familien⸗Schloſſe Tegel als auch ſpäter in Berlin in den alten Sprachen unterrichtet wurde, wie beide Brüder namentlich in Göttingen im philologiſchen Seminare unter Heyne, dem Schwiegervater von G. Forſter, die Studien derſelben eifrig fortſetzten, und A. v. H. ſogar ſeine erſte gelehrte Ab⸗ handlung über die Webereien der Griechen ſchrieb; wie derſelbe ſpäter, als er durch Blumenbach, Lichtenberg u. A. ſich überwiegend den Naturwiſſenſchaften gewidmet hatte, noch die Handels⸗Akademie zu Hamburg beſuchte, beſonders zur größeren Uebung in den lebenden Sprachen; wie er endlich mehrere ſeiner Werke in lateiniſcher Sprache herausgab und in ſeinem ganzen Leben Unterſuchungen über Sprachen der alten wie der neuen Welt eifrig zugewandt blieb.— Bleiben wir jedoch bei dem Thema unſeres Vortrags!— Ich bitte Sie, Angeſichts des bekränzten Bildes des Unſterblichen, ſich mit mir zu erheben und dieſe Gedächtnißfeier ſeiner 100jährigen Geburt ihm beſonders als leibhaftigem Muſter der humanen Verſöhnlichkeit und Vermittlung zwiſchen dem Wiſſen der antiken und modernen Wel t darzubringen und ihm auch in unſerem Lehrerkreiſe ein Denkmal zu ſetzen, zwar vorerſt nicht eins von denen quae, um mit Tacitus zu reden, marmore aut aere finguntur, sed quod tuis moribus exprimere possis, d. h. durch Nach⸗ eiferung in und außer der Schule!—
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