Aufsatz 
Das dritte Buch des platonischen Gottesstaates : oder: Fortsetzung der Kritik der Literatur behufs einer vernünftigen Jugenderziehung, sodann der Musik und Gymnastik aus demselben Gesichtspunkte, Staatsregenten und Staatsschutzmänner mit goldenen Seelen
Entstehung
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richtungen gar keine Beſorgniß, daß der dritte Stand der Bürger je gegen ſie oder gegen ſich ſelbſt in Zwieſpalt gerathe. Freilich folgerecht nicht. Was die kleineren Uebel anlangt, von welchen die Bürger in Folge unſrer Staats⸗ einrichtungen befreit ſein würden, ſo nehme ich Anſtand, ſie wegen ihrer Unbedeu⸗ tendheit aufzuzählen, wie Augendienereien der Armen gegen die Reichen, ferner alle die Verlegenheiten und Plagen, mit welchen ſie bei der Kindererziehung und bei der Geld⸗ gewinnſucht wegen der nothwendigſten Ernährung der Bewohner*) ihres Privat⸗ Hauſes zu thun haben, indem ſie bald Kapitälchen borgen, bald abläugnen, bald auf jede Weiſe ſich verſchaffen und dann den Frauen und Wirthſchaftern*) aus dem Sclavenſtande zur Führung des Haushaltes in den Beutel ſchütten, und welche und welcherlei, mein Lieber, ihre Hausleiden noch weiter ſein mögen, dieſe ſind ja allbekannt, gemein und des Erwähnens nicht werth

13. Ja allbekannt, ſogar dem Blinden. Von allen dieſen Plackereien des Lebens werden die zwei oberen Stände unſres Staates frei ſein, und ein ſeliges Leben führen, noch ſeliger als das der olympiſchen Sieger***). Wie ſo? Dieſe werden nämlich nur wegen eines kleinen Theiles des Glückes glückſelig geprieſen, welches den genannten zwei oberen Ständen zu Theil wird; denn nicht nur ihr Sieg iſt ſchöner, ſondern auch ihr leiblicher Unterhalt aus der Staats⸗ kaſſe vollſtändiger. Der Sieg nämlich, den ſie erringen, iſt die Wohlfahrt des ganzen Staates, und nicht allein ſie ſelbſt ſondern auch ihre Kinder erhalten als Ehrenkranz ihren Unterhalt und die ſonſtigen Lebensbedürfniſſe; auch Ehren⸗Aus⸗ zeichnungen erhalten ſie von ihrem Staate nicht nur im Leben, ſondern auch nach dem Tode wird ihnen eine würdige Ehrenbeſtattung zu Theil. Sehr ſchöne Be⸗ lohnungen! Erinnerſt du dich folglich nun, daß im Vorhergehenden) ich weiß nicht mehr weſſen Einrede uns den Vorwurf machte, wir ließen die Staatswächter gar nicht glückſelig ſein,(466) ſie, die gar kein Eigenthum beſäßen, obgleich ſie

*) Die meiſten vornehmen Athener mußten von Neldban oder einer Fabrik leben, welchen oder welche eine große Anzahl Sclaven betrieb.

**) Die Sclaven hatten die häuslichen Geſchäfte im Hauſe eines freien Staatsbürgers in der größten Ausdehnung zu beſorgen, da dieſer oft wegen ſeiner Staatsgeſchäfte keine Zeit oder keine Luſt hatte. Wie wir hier ſehen, ſo mußte er oft die Hauswirthſchaft entweder der Frau oder einem Sclaven überlaſſen. Es mochten da mancherlei Unterſchleife und Aergerlichkeiten ſich herausſtellen. Unſer Mitredner Glauco ſcheint auch einer dieſer geplagten Herrn geweſen zu ſein.

***½) Die olymp. Sieger wurden von ihren Landsleuten nicht nur bekränzt und im Triumph nach Hauſe geführt, ſondern erhielten auch entweder eine Penſion oder öffentliche Speiſung, die oft nicht die beſte geweſen ſein mag. Vrgl. Potter's griech. Archäologie I, 997. Ramb. Die Vernünftigeren, wie hier Plato und ſpäter der Apoſtel Paulus Korinth. I, 9, 24, belächelten die Vergötterung eines Menſchen, welcher zu Olympia entweder wie ein Haas hatte laufen oder wie ein engliſcher Borer hatte

zuſchlagen können, und wieſen auf einen höheren Sieg und Preis, auf den der Tulend. 26 ) B. IV, Kap. 1.