— 24—
der im Schiffenbefindlichen Menſchen, oder ein des Erwerbs willen ſchiffender Paſſagier? — Ein Regent der Leute im Schiffe.— Das, denke ich, darf man durchaus nicht in Anſchlag bringen, daß er mit im Schiffe fährt, und daher ihn auch keinen des Erwerbs willen ſchiffenden Paſſagier nennen; denn Steuermann heißt er ja nicht in Bezug auf die Seefahrt, ſondern in Bezug auf ſeine Kunſt und die Regierung über die Schiffenden.— Richtig, ſagte er.— Gibt es nun nicht für jeden der genannten Menſchen,(Kranken, Schiffenden) etwas Zuträgliches?— Ja wohl.— Iſt nun nicht die Kunſt, fuhr ich fort, eben dazu eigens beſtimmt jedwedem das Zuträgliche zu erſtreben und zu gewähren?— Eben dazu, antwortete er.— Gibt es denn etwa für jede der Künſte als ſolche ein andres Zuträgliches, als dies, daß ſie die vollkommenſte Meiſterſchaft beſitze?— Wie ſoll ich dieſe Frage verſtehen?— Wenn du mich z. B. fragteſt, ob der Körper ſich ſelbſt genug ſei, oder ob er noch nebſtdem etwas bedürfe; ſo würde ich antworten: Ja wohl bedarf er noch etwas. Deshalb iſt auch jetzt die Kunſt, nämlich die Heilkunde erfunden worden, weil der Körper ſchad⸗ haftig iſt und er ſich nicht ſelbſt genug ſein kann. Um dieſem nun das Zuträgliche zu gewähren, iſt die Kunſt erfunden worden. Schein' ich dir, fragte ich ihn, iin dieſer Behauptung vernünftig mich ausgedrückt zu haben, oder nicht?— Vernünftig(342), antwortete er.— Nun kommen wir weiter zu den Folgen dieſes Zugeſtändniſſes: Iſt die Heilkunde ſelbſt auch mangelhaft, oder bedarf überhaupt eine Kunſt noch einer anderen Tüchtigkeit zu der ihrigen, wie die Augen des Sehens und die Ohren des Hörens, weshalb bei ihnen eine gewiſſe Kunſt nöthig, um das für dieſelben Zuträg⸗ liche zu bedenken und darzureichen? Sag! an, gibt es in der Kunſt ſelbſt eine Mangel⸗ haftigkeit, und bedarf jede Kunſt einer andern, welche das jenerr Zuträgliche zu be⸗ denken hat und die dies bedenkende hinwiederum einer andern derartigen, und ſo un⸗ endlich weiter? Oder bedenkt ſie allein für ſich ſelbſt das Zuträgliche? Oder iſt es vielmehr ſo, daß ſie weder ſich ſelbſt noch eine andere Kunſt als Helferin nöthig hat, für ihre Mangelhaftigkeit das Zuträgliche zu erforſchen? Denn weder ein Mangel noch eine Fehlerhaftigkeit haftet in irgend einer Kunſt; auch darf eine Kunſt das Zu⸗ trägliche nicht für ein anderes ſuchen, als für jenes Object, für das ſie eben Kunſt iſt, während ſie als wahre Kunſt ohne alle Schadhaftigkeit und vollkommen iſt, ſo lange eine jede genau ganz das iſt, was ſie iſt. Nimm's nur in deinem vorhinigen ſtrengſten Sinne des Wortes; iſt's ſo, oder anders?— Es ſtellt ſich ſo heraus, ſagte er. Die Heilkunde, fuhr ich fort, erforſcht demnach nicht das der Heilkunde, ſondern das dem Körper Zuträgliche?— Ja, antwortete er.— Die Pferdewiſſenſchaft auch nicht das der Pferdewiſſenſchaft, ſondern das den Pferden Zuträgliche; und ſo auch ſucht es gar keine andere Kunſt für ſich ſelbſt, ſie bedarf ja deſſen gar nicht;
ſondern für das, wofür ſie eben Wiſſenſchaft iſt.— So ſcheint es, ſagte er.— Ferner nun haben, o Thraſymachus, die Künſte doch das Regiment und die, Gewalt


