Aufsatz 
Das erste Buch des platonischen Gottesstaates, oder: Kritik der bisherigen einseitigen und falschen Ansichten von Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit / Verdeutscht von Wilhelm Wiegand
Entstehung
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IVy

Ankündigung einer Verdeutſchung dieſes Werkes in der zu Darmſtadt erſchienenen Zeitſchrift fur die Alterthumswiſſenſchaft, 1834, Nr. 107 ff.; 2) Ueber die Einheit und Eintheilung der plat. Politie im Wormſer Programm 1840; 3) Sendſchreiben an Fr. Oſann über Platonis Rep. IX, 9.; 4) Probe einer Ueberſetzung der plat. Republik mit einer Einleitung in die Anſicht Plato's über Philoſophie und Philo⸗ ſophen; 5) Einleitung in Plato's Gottesſtaat, Beigabe zum Wormſer Programm 1858. Die Ueberſetzung der 13 plat. Briefe nebſt einer ausführlichen Einleitung in die griechiſche Briefliteratur überhaupt und insbeſondere in die platoniſche ſowie mit einer Entſcheidung über die Frage ihrer Aechtheit iſt im Drucke erſchienen Stuttgart bei J. B. Metzler 1859; die(ſchwierigeren) fünf letzten Bücher des platoniſchen Staa⸗ tes erſchienen eben daſelbſt 1857, wozu mich Herrr Profeſſor W. S. Teuffel in Tübingen aufgefordert hatte, welcher die fünf erſten Bücher überſetzt hatte. Meine Ueberſetzung der fünf erſteren Bücher des plat. Werkes hat bisher ruhig in der Mappe gelegen, indem ich keine Zeit fand, ihr die letzte Feile zu geben. In Ermangelung von etwas Beſſerem, und da ich mir ſchmeicheln kann, daß meine betr. Ueberſetzung neben den bisher erſchienenen auch noch des Druckes werth iſt, laſſe ich das erſte Buch als Beigabe des diesjährigen Programms erſcheinen, zumal da dieſes erſte Buch ein Ganzes für ſich bildet. Die plat. Philoſophie iſt nämlich kein Phantaſte⸗ Geſpinnſt, wie noch vielfach ſelbſt in tiefer gebildeten Kreiſen irrig geglaubt wird, trotzdem, daß ſchon der nüchternſte aller deutſchen Denker, Kant, in der Kritik der reinen Vernunft, S. 379), ſeine Stimme dagegen erhob, und jtrotzdem, daß philologiſche Hiſtoriker erſter Größe, ein Wachsmuth(Selleniſche Alterth. II., 2, S. 472 ff.) und K. F. Hermann(Geſch. u. Syſtem der platon. Phil. u. in vielen ſeiner Pro⸗ gramme) nachgewieſen haben, daß wie das ganze helleniſche Gedanken⸗Syſtem über⸗ haupt ſo auch namentlich ſelbſt die kuühnſten Ideen Plato's ſich durchgänglich auf das im Leben Vorhandene, auf eine hiſtoriſche Grundlage beziehen. So hat nun auch Plato, ehe er vom zweiten Buche ſeines Staates an ſeine hohen Ideen von Gerechtigkeit für den einzelnen Menſchen wie für die menſchliche Geſellſchaft (Staat) entwickelt, im erſten Buche eine Kritik aller vor ihm aufgeſtellten einſeitigen oder falſchen Begriffe von Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit vorausgehen laſſen, und ſo bildet dasſelbe ein Werk für ſich. Denn das große, nie erblaſſende Himmelsgemälde ſowohl von dem tugendhaften Manne als auch von dem vernünftigen Staate, wie Jean Paul Plato's Schrift vom Staate nennt, hat mehr als wahr⸗ ſcheinlich vorher in einzelnen Theilen beſtanden G. K. F. Hermann am a. O. S. S. 537 ff.),