5 bloß eine Luſt, ſondern auch ein moraliſches Förderungs⸗Mittel für Staatsverfaſſungen und das menſchliche Privat⸗Leben wäre. Denn unſerm moraliſchen Staate: ja käme der Gewinn zu Gute, wenn ſich herausſtellen ſollte, daß ſie nicht bloß eine Luſt, ſom dern auch ein ächtes moraliſches Bildungsmittel iſt. Glauco. Ja allerdings wäre der Gewinn auf unſrer Seite. n e e e ree Sokrates. Wenn ſich dieſer aber nicht herausſtellt, dann müſſen wir es, mein lieber Freund, machen, wie die, welche einmal in Jemand verliebt waren.*) Wie dieſe näm⸗ lich, wenn ſie zur Einſicht kommen, daß die Liebe nichts taugt, zwar mit Gewalt, aber dennoch ſich von ihr losreißen: ſo wollen auch wir, weil uns denn von der in überfeinen Staaten üblichen Erziehung eine Liebe für die Poeſie der vorbin beſchriebenen Art eingepflanzt iſt[p. 608], ihr zwar wohlwollend Gelegenheit geben, ſich als eine Kunſt vom edelſten und wahrſten Gehalte zu erweiſen; ſo lange ſie aber nicht im Stande iſt, ſich gegen die von uns vorgebrachten Gründe völlig zu rechtfertigen, ſo werden wir ſie nicht anders hören, als indem wir mit dem Reſultate der hier angeſtellten Unterſuchung und mit dieſer Art von Bannſpruch uns unverwundbar gegen ſie machen und uns alſo wohl in Acht nehmen, daß wir nicht wieder in jene jugendlich leichtſinnige und nur dem ungebildeten Volke eigne Liebe verfallen. Aus jenem Reſultate entnehmen wir aber nun**), daß man auf die Poeſie der beſchriebenen Art, als einem Gegenſtande von wahrer Weſenheit und von reellem Ge⸗
gen, obgleich nach den vorliegenden Acten den Dichtern eine Ver⸗ theidigung unmöglich iſt.— Vergl. Wachsmuth a. a. O. 1, 1, S. 250 und unſre Anmerkung zu Buch VIII, Kapl 16. *) Ich folge der von Schneider mit vieler Gelehrſamkeit vertheidigten hund von Hermann beibehaltnen Lesart ασισε εα in der Ueberſetzung weiche ich aber von Schneider 45 S. Aehren⸗ leſe ꝛc. a. a. O. S. 594. **) Ueber die griechiſche Jugendbildung durch die Dichter überhaupt und beſonders über Vortheile, welche Plato ſelbſt dadurch für ſeine ewig muſterhafte Darſtellung gewann, vergl. unter andern van Heusde's lnitia Philosophiae Platonicae I, p. 96 ff.


