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entledigt auch dieſes der Qual und heißt die Geſetze der Natur der Menſchheit dienen und nützen, welche der Menſch, der Microcosmos, in glücklichen Stunden dem Macrocosmos abgelauſcht hat.
Die empiriſche Naturwiſſenſchaft hat demnach unter den Wiſſenſchaften wenn nicht den größten doch den wahrnehm⸗ barſten und auffallendſten Einfluß auf das Wohl der Menſchheit.
Zwar beſchäftigen ſich hiemit auch viele andre Wiſſenſchaf⸗ ten, die Medicin, Philoſophie, Geſchichte, Theologie, Rechts⸗, Staatswiſſenſchaft, Pädagogik u. ſ. w., aber da ſie meiſt nur dis⸗ curſiv nicht intuitiv verfahren, ſo ſind ſie mehr dem Irrthum ſowie dem Mißverſtändniſſe ausgeſetzt, und ihre wirklichen neuen Wahrheiten unterliegen oft ſehr lange dem Zweifel, da ſie nicht mathematiſch bewieſen werden können.*) Die neue, empiriſche Naturwiſſenſchaft geht zwar langſamer voran, als die übrigen Wiſ⸗ ſenſchaften, aber dafür deſto ſicherer und richtiger. Sie baut an der Hand der Mathematik nur Sandkorn auf Sandkorn, aber deſto unerſchütterlicher. Die vom Naturkundigen mathematiſch be⸗ gründeten Wahrheiten und Geſetze können entweder gar nicht oder doch nicht lange bezweifelt oder angefeindet werden; die noch unſicheren Behauptungen oder Hypotheſen werden wie z. B. das copernikaniſche Sonnenſyſtem, entweder bald durch die Erfahrung zur Gewißheit gebracht, oder, wie die phlo⸗ giſtiſche Theorie vom Brennproceß, augenſcheinlich wider⸗ legt. In Bezug auf das hier Angedeutete verweiſen wir auf die Schrift eines bekannten Meiſters in der empiriſchen Naturwiſſenſchaft, auf die Chemiſchen Briefe von Juſtus v. Liebig. Derſelbe bemerkt S. 65(der dritten Auflage, 1851):„Nicht an die Thaten mächtiger Fürſten oder „berühmter Feldherrn, ſondern an die unſterblichen Namen „Columbus, Copernikus, Keppler, Galilas, New⸗
5„Die Naturforſchung hat das Eigene, daß alle ihre Reſultate dem geſunden Menſchenverſtande des Laien eben ſo klar, einleuchtend und verſtändlich ſind wie dem Gelehrten.“ Liebig in der Einlei⸗ tung ſeiner Chem. Br. S. XI.


