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zu verbreiten und zu empfehlen. Wenn wir im vorjäh⸗ rigen Programme die erſte wiſſenſchaftliche Größe und Repräſentation des griechiſchen Alterthums, den Plato, zum Gegenſtand einer Abhandlung machten, ſo fordert die beſondere Beſchaffenheit unſerer Anſtalt, auch einen Repräſentanten des modernen Wiſſens vorzuführen. A. v. Humboldt hat in ſeinem Kosmos alle Ergebniſſe der in neuerer Zeit zwar langſam aber ſicher fortſchrei⸗ tenden empiriſchen Naturforſchungen wie in einem Brenn⸗ puncte allgemein verſtändlich vereinigt(ſ. Progr. 1853, S. 9); er hat noch Größeres gethan: er iſt darin der gluͤcklichſte Vermittler des Wiſſens der alten und der neuen Welt, der Philologie und der mathematiſch⸗phyſicaliſchen Wiſſenſchaft, er iſt der Vermittler des unheilvollen Dua⸗ lismus in der Pädagogik, wenn er Kosmos I, S. 384 die Sprachen für einen Theil der Naturkunde des Geiſtes erklärt.— Bei ſeinem Streben, alle Welterſchei⸗ nungen als ein Naturganzes aufzufaſſen, entgeht ſeinem klaren Verſtande nicht die kleinſte der einzelen Gruppen dieſer Erſcheinungen, in welchen das Walten großer Geſetze bereits erfahrungsmaͤßig erkannt worden iſt, wie ſein reinmenſchliches Gemüth das feinſte Gefühl für den zarteſten Ausdruck tiefer Naturempfin⸗ dung in den dichteriſchen Darſtellungen der Griechen und Römer Bd. II, S. 6 ff. zeigt, welchen Abſchnitt, ſowie die Würdigungen der von gewöhnlichen Natur⸗ kündigern verächtlich behandelten alten Forſcher(Plato, Ariſtoteles, Plinius de.) kein wahrer Philologe, d. h. der, welcher mit dem Philoſophen und Künſtler auf glei⸗ cher Linie ſteht, nicht ungeleſen laſſen darf.
Da das deutſche höhere Unterrichtsweſen nicht auf der feſten Baſis einer Nationalbildung beruht, ſondern auf einem Eelecticismus verſchiedener Culturen: ſo liegt darin ſchon die Möglichkeit einer Entzweiung oder eines Dualismus, welcher ſich auch geoffenbaret und ausgebildet hat in dem Gegenſatz von Humanismus und Realismus. Wo, wie in unſerer Anſtalt beide


