Aufsatz 
Zur Methode des Unterrichts in der deutschen Sprache
Entstehung
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13 Zur Methode des Unterrichtes in der deutſchen Sprache.

Auf religiöſem Gebiete wird uns eifrige Betrachtung und Vertiefung in die Schöpfungswerke als Mittel zur ſittlichen Erhebung empfohlen; es läßt ſich dies auch auf dem nationalen anwenden. Ja, innig vertiefen müſſen ſich alle Deutſche in jene großen Herrlichkeiten, die Gott unſerm Volke geſchenkt hat: das ſchöne Land, ſeine Sprache, ſeine Litteratur und die großartigen Perioden ſeiner Geſchichte! dann wird Jeder ſich zu dem Werke erhoben fühlen, das ihm in jenen Gütern angedeutet iſt, er wird an dieſen die Pfunde finden, mit denen Wucher zu treiben ſeine Pflicht iſt.

Wie aber muß dieſes geſchehen? Ich glaube vor Allem auf dem Wege der Lehre, in den Schulen, bei der Jugend, die am meiſten für Großes und Hohes empfänglich iſt. Deutſcher Sprache, Litteratur und Geſchichte muß fortan größere Sorgfalt gewidmet werden und zwar nicht mehr bloß in einzelnen, ſondern in allen Theilen des Vaterlandes. Und wenn dies auch in ſolcher Ausdehnung, wie es noch angedeutet werden ſoll, nur auf höheren Lehranſtalten geſchehen kann, ſo iſt damit auch für die niederen Staͤnde gewirkt, denn die Ideen und Gefühle verbreiten ſich, wie es bekannt iſt, immer von Oben nach Unten und geiſtige Errungenſchaften der höheren Klaſſen der menſchlichen Geſellſchaft werden ohne beſonderes Zuthun bald auch Gemeingut der minder Gebildeten. Um ſo mehr aber werden wir uns beeifern, dieſer Ausbildung des Nationalgefühls Folge zu geben, als wir die Gründe bedenken, aus denen man bisher eine ſolche der Nation und ihrer Jugend vor⸗ enthielt.

Als ich vorſtehende Worte neulich in einem öffentlichen Blatte las, ſo erinnerte ich mich dabei eines Fundes, welchen ich im J. 1846 zu Mainz gelegentlich der dortigen Verſammlung für Real⸗ und höheres Bürger⸗Schulweſen machte. Ich hatte bei dieſer Verſammlung eine ganz eigene Stellung: ich war nämlich in derſelben der einzige Gymnaſial⸗Director, aber Director eines Gymnaſiums, das nichts weniger als bloß Vorſchule zum Gelehrtenſtand oder zur Univerſität ſein kann und darf, ſon⸗ dern das zugleich eine höhere Bürgerbildung gewähren ſoll und ganz auf bürgerlichem Grunde ſteht. Ich miſchte mich indeß grundſätzlich nicht in die Debatte, mit Ausnahme eines einzigen Mals, und zwar am Anfange, als man die Lehrer der Volksſchule von der Verſammlung ausſchließen wollte. Nur eines Herrn Bekanntſchaft machte ich, der gleichfalls zu denen zu gehören ſchien, welche, um einen Ausdruck des Cicero zu gebrauchen, nee plausum nec lucrum quaererent, sed visendi causa venirent studioseque perspicerent, quid ageretur et quomodo. Derſelbe intereſſirte mich nicht nur durch ſeine ungewöhnlichen Gedanken über das ganze deutſche Unterrichtsweſen, ſondern auch durch eine gewiſſe Zurückhaltung, die er nicht bloß in der Verſammlung, ſondern auch in Bezug auf ſeine Perſon beobachtete. Er intereſſirte ſich auch um das Kleinſte, ſchien aber ein näheres Einlaſſen mit den Leuten vom Handwerk zu meiden; er disputirte nicht, er notirte ſich nichts von den Vorträgen, wie dies Andre fleißig thaten, aber nach einigem Verweilen begab er ſich in einen Neben⸗ ſaal, wo ich ihn öfters ſchreiben ſah. Als ich ihn wieder ein Mal an dieſem Platze ſuchte, fand ich ihn da nicht, wohl aber einen ſehr eng beſchriebenen Bogen, mit der Ueberſchrift: deutſche Sprache, über welche jenen Morgen war debattirt worden. Da ich vermuthete, daß mein Unbekannter denſelben aus Vergeſſenheit habe liegen laſſen, ſo ſteckte ich das Papier nicht ohne Neugierde für den mich ſehr intereſſirenden Gegenſtand in der Abſicht zu mir, ihm bei Tiſche es zu übergeben. Aber ich fand ihn daſelbſt nicht, auch nachher nicht mehr in ſeinem Logis. Er war abgereiſ't. Im Fremdenbuche hatte er ſich eingeſchrieben: S. P. aus D. Nach dieſen einleitenden Worten laſſen wir hier die Ver⸗ öffentlichung des beſagten Fundes folgen, als Anhang des diesjährigen Programms.