Aufsatz 
Das erweiterte Gymnasium zu Worms, mit Beziehung auf das Octoberheft der pädagogischen Revue : zugleich ein Blick auf die Zukunft des deutschen Schulwesens überhaupt / Wilhelm Wiegand
Entstehung
Einzelbild herunterladen

- 19 Beigabe.

Das erweiterte Gymnaſium zu Worms, mit Beziehung auf das Octoberheft der pädagogiſchen Revue. Zugleich ein Blick auf die Zukunft des deutſchen Schulweſens überhaupt.

Das Octoberheft der pädagogiſchen Revue vom v. J. berichtet unter der Rubrik Ueberſicht der Zeitſchriften von der Darmſtädter Gymnaſial⸗Zeitung, daß das Juniheft derſelben unter andern von Director Wiegand in Worms eine höchſt erfreuliche Nachricht über das erweiterte Gymnaſium in Worms nebſt einer Rede(mit vieler Nach⸗ ſicht wird ſie eine wackere genannt) von demſelben enthalte:Ueber die Aufgabe des erweiterten Gymnaſiums zu Worms und die hauptſächlichſten Bedingungen ihrer Löſung. Wenn(alſo fährt hierauf die pädag. Revue weiter fort) der Verf.(Dir. Wiegand) ſagt,unſere Zeit ſuche ſich die Erziehungsaufgabe gleichſam zu theilen, in⸗ dem man einerſeits beſondere Unterrichtsanſtalten für Vielſeitigkeit und Nützlichkeit, an⸗ dererſeits ebenfalls beſondere für Gründlichkeit und Tüchtigkeit zu errichten beſtrebt ſei, ſo iſt dieſer Geſichtspunct wol nicht der richtige, obſchon es allerdings noch lange Zeit hindurch Realſchulen geben wird, in denen nichts Gründliches und Tüchtiges gedeiht. Natürlich iſt nichts dagegen einzuwenden, wenn eine Stadt, der zur Erhaltung zweier Anſtalten die Mittel fehlen, zu einer combinirten Anſtalt ihre Zuflucht nimmt, einen Vorzug können wir aber in einem ſolchen Werke der Umſtände nicht ſehen, obgleich auch eine ſolche Schule unter guten Lehrern vortrefflich ſein und herrliche Erfolge erzielen kann.

Wenn Jemand von Natur Feind aller Arten von Antikritiken iſt, ſo muß er ſich davon noch deſto abgeneigter fühlen, je verdächtiger unbedingte Lobeserhebungen ſind, und je unverkennbarer neben Ausſtellungen die humane Geſinnung des Referen⸗ ten iſt. Trotz dieſes Grundſatzes muß ich doch zwei Bemerkungen an vorſtehendes Referat anknüpfen, um zwei Mißverſtändniſſe aufzuklären, wovon das eine auch vom na⸗ hen und nächſten Publicum ſelbſt noch vor meiner Rede getheilt wurde und hie und da immer noch getheilt wird. So natürlich und verzeihlich ein ſolches einerſeits bei einer neuen Geſtaltung iſt, wozu die bisherige Erfahrung kein allgemein gangbares Maß hat, ſo gefährlich müßte es für die Conſolidirung unſerer Anſtalt werden, wenn es in einer der geleſenſten pädagogiſchen Zeitſchriften*) unaufgeklärt bliebe.

¹) Bei der Leitung der Anſtalt ſuche ich mich genau an die durch allſeitige Vereinbarung derſelben zu

Grunde gelegten allg. Principien zu halten. Die oͤffentlichen Urtheile uͤber die Anſtalt, ihre Richtung ꝛc.

werden alſo nur in ſo fern gerecht und beachtenswerth ſein, als ſie ſich auf die ein Mal vorhandene

allg. Baſis halten. Dieſe mag nun die abſolut richtige ſein oder nicht, ſo bleibt ſie

aber nun ein Mal Baſis, bis ſie ebenfalls wieder durch eine Vereinba⸗ 3*