Aufsatz 
Das erweiterte Gymnasium zu Worms, mit Beziehung auf das Octoberheft der pädagogischen Revue : zugleich ein Blick auf die Zukunft des deutschen Schulwesens überhaupt / Wilhelm Wiegand
Entstehung
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3) Am Anfange des Schuliahres, nach geſchloſſener Inſcription(4. Nov.), zählte die Anſtalt 144 Schüler; dieſe theilten ſich hinſichtlich der Confeſſionen in 21 Israeliten, 38 Katholiken, 85 Proteſtantenz hinſichtlich der Klaſſen: in 11 I, 11 II, 17 III(8 Studirende, 9 Gewerbtreibende), 22 IV(15 Studirende, 7 Gewerbtr.), 38 V, 45 VI.

Am Schluſſe des Jahres zählte die Anſtalt noch 125 Schüler; nach Confeſ⸗ ſion 19 Jsraeliten, 32 Katholiken, 74 Proteſtantenz nach der Klaſſen⸗Ein⸗ theilung: 11 I, 11 II, 11 III(8 Stud., 3 Gew.), 20 IV(16 Stud., 4 Gew.), 3 V, 41 VI.

Nach dieſen Daten könnte es Denen, welche weniger mit den hieſigen örtlichen Verhältniſſen vertraut ſind, auffallen, daß die ohnehin verhältnißmäßig geringe Anzahl von Schülern in den neuerdings errichteten realiſtiſchen Parallel⸗Klaſſen, welche am Anfang des Jahres in Allem aus 16 Schülern beſtand, am Ende desſelben bis auf 7 zuſammenſchmolz. Dieſe Erſcheinung dürfen wir hier um ſo weniger unaufge⸗ klärt laſſen, als in ihr ſich die aus mehrjähriger Erfahrung abſtrahirte Idee ausſpricht, worauf die ganze neue Einrichtung unſerer Anſtalt ſowie das geſammte Schulweſen der Stadt Worms gegründet wurde. Sie beruht nämlich auf der Erfahrung, daß die Eltern, durch verſchiedene Verhältniſſe veranlaſſ't, die Jugend theils mit, theils bald nach der Confirmation aus der Schule ziehen und ſie ihrem eigentlichen Beruf zuführen, eine Erfahrung, die ſich auch anderwärts wiederholt*) und von den reinen Realſchulen nicht mit Unrecht als das unüberſteiglichſte Hinderniß beklagt wird**), warum ſie nicht leiſten können, was ſie wollten und ſollten, und warum ſie in dieſer Beziehung mit den Gym⸗ naſien keine Vergleichung aushalten. Jenes Auffallende iſt demnach nur eine Beſtätigung der neuen Organiſation, deren Hauptwerth, totalen Umänderungs⸗Verſuchen und Rath⸗

*) In einem vorliegenden Schuͤlerverzeichniſſe einer der erſten und reichlichſt ausgeſtatteten Realſchule unſeres Landes zaͤhlt die oberſte Klaſſe unter 19 nur einen Schuͤler uͤber 15 Jahren, die ubri⸗ gen ſtehen alle zwiſchen dem 1315. Jahr.

**) In einem ſehr intereſſanten Berichte uͤber die preuß. ſ. g. hoͤheren Buͤrger⸗ oder Realſchulen(Allg. Schulzeitung, Juli⸗Heft S. 885) wird in dieſer Beziehung bemerkt:Der eigentliche Buͤrgerſtand aber hat von dem Nutzen oder der Nothwendigkeit eines Unterrichtes, wie ihn die oberen Klaſſen der Buͤrger⸗Schulen bieten, fuͤr das buͤrgerliche Leben kaum eine Ahnung und zieht ſeine Kinder ſo früh als moͤglich aus der Schule, um ſie dem eigentlichen Berufe zu uͤbergeben. Daher fuͤhren ſelbſt in recht volkreichen und gewerblichen Staͤdten die oberen Klaſſen ein ſo kuͤmmerliches Leben. Da helfen alle Nothrufe der Programme nichts ꝛc. So der Mann der Theorie. Was ſagt aber der Mann des Lebens?Und wenn die jungen Leute noch ſo lange in der Schule bleiben, den ſonſt uͤblichen Curſus muͤſſen ſie doch im Allgemeinen bei Erlernung des Geſchaͤftes durchmachen! und, ich glaube, der Lebende hat Recht.

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