— 1s—
jugendlichen Faſſung als auch der ſpeciellen Natur der Schule die bei weitem angemeſſe⸗ nere ſchien, und es kann für ſie nicht anders als erfreulich ſein, daß dieſer ſonſt ziemlich als geiſtlos verſchrieenen Methode erfahrene und unbefangene Schulmänner wieder Ge⸗ rechtigkeit widerfahren laſſen. Es hat dies in neuerer Zeit beſonders der däniſche Gelehrte und Pädagoge Ingersley gethan, der von ſeiner Regierung beauftragt war, zum Be⸗ hufe inländiſcher Schulverbeſſerungen auswärtige Anſtalten zu inſpiciren. In ſeinen deß⸗ falls im Drucke neuerdings erſchienenen Bemerkungen über den Zuſtand der Gelehrtenſchulen in Deutſchland und Frankreich macht derſelbe gelegentlich der bayeriſchen Schulen, die im übrigen eine ſcharfe Kritik von ihm erfahren, die Be⸗ merkung:„Dann aber will ich, wenn eine Wahl getroffen werden ſoll, in der Schule „lieber die ſichere Kenntniß der Facta haben, ohne eine pragmatiſche Behandlung als „dieſe, den ſ. g. Geiſt der Geſchichte, ohne eine ſichere Kenntniß des Stoffes. Endlich „wird in Bayern der geſchichtliche Unterricht erſt an den Lyceen und Univerſitäten vollen⸗
„det, wohin die philoſophiſche Behandlung dieſes Gegenſtandes recht eigentlich gehört. „In dieſem Puncte gebe ich deßwegen den bayeriſchen Schulen und namentlich den „katholiſchen*) entſchieden den Vorzug vor den preußiſchen und ſächſiſchen.“
Auch die Pädag. Revue giebt gelegentlich der Anzeige der genannten Schrift unſerer Methode den Vorzug, indem ſie(Januarheft 1842, S. 79) anmerkt:„Zu dieſer(pragm. „Behandlung) kömmt man doch erſt ſpäter durch eigenes Leſen und Studium. Fehlt aber „eine ſichere Kenntniß der Facta, ſo werden die Schüler zu einem faden dünkelhaften „Schwatzen und Abſprechen über Gegenſtände verleitet, von denen ſie keine rechte Kennt⸗ „niß beſitzen; ein ſolches iſt aber pädagogiſch gefährlich und dem Geiſt der Wiſſenſchaft „durchaus widerſprechend.“
Eine Lieblings⸗Idee von mir iſt übrigens eine engere Verbindung des Unterrichtes in der Geographie mit dem der Geſchichte nach dem Gedanken des auch als Pädagog unſterblichen Herder, nach welchem Geographie ſtill ſtehende Geſchichte und Geſchichte ſich fortbewegende Geographie iſt. Die Realiſiruug dieſer Idee würde nicht nur zur allerſeits ge⸗ wünſchten Vereinfachung der Lehrgegenſtände dienen, ſondern auch ungemein beitragen, die eben ſo nothwendige Klarheit und Sicherheit der Vorſtellungen bei der Jugend zu befördern. So wenig neu dieſe Idee iſt, ſo ſehr fehlt es freilich hinſichtlich ihrer gehörigen Ausfüh⸗ rung an glücklichen Vorarbeiten, doch giebt es ſchon mehrfache unterſtützende Winke.
*) Sonderbar wird uͤbrigens hier als confeſſionelle Eigenheit characteriſirt, was aͤlter, als alle Confeſ⸗ ſionen iſt, indem die factiſche Auffaſſung der Geſchichte, wie Jedermann weiß, ſich vom Vater derſelben, von Herodotus datirt, der unter den Geſchichtſchreibern eben ſo unuͤbertroffen noch da ſteht, wie Homer unter den Dichtern und Plato unter den Philoſophen.


