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dienen können. Dem weniger Gewandten sind sie aber vielfach ein unentbehrliches Hilfsmittel, das man ihm nicht nehmen kann, ohne den Unterricht zu schädigen. Und es ist m. E. wenigstens grofse Engherzigkeit zu fordern, daſs ein französisches oder anderes UÜbungsbuch deutsche Stücke durchaus nicht enthalten dürfe.
Ich habe weiter oben die Forderungen kurz berührt, welche die Phonetiker teilweise an den Schulunterricht stellen. Es muls indessen anerkannt werden, daſs in dieser Richtung eine ruhigere Beurteilung der Sachlage sich geltend macht, und dafs für die oben erwähnten Ahn'’schen Thesen eine beträchtliche Majorität unter den Neuphilologen gesichert ist. Der Studierende befasse sich eingehend mit Lautphysiologie und Phonetik, der Schüler bleibe mit theoretischen Erörterungen aus diesen Gebieten verschont. Phonetische Auseinandersetzungen, wie sie Breymann in seinen Elemen- tarbüchern andeutet, sind jetzt schon im allgemeinen ein überwundener Standpunkt. Rambeau beansprucht zur Einübung seiner vier Lauttafeln beim Anfangsunterricht die ersten 2—3 Stunden ganz, und von einigen weiteren noch je 10 Minuten etwa. Das kann man schlieſslich eine mäfsige Betreibung der„Lautphysiologie“ nennen.— Kühn sagt in seiner„Begleitschrift“, p. 13 u. 14:„Das Erlernen der phonetischen Umschrift neben der üblichen Orthographie bedeutet unter allen Umständen eine Mehrbelastung des Schülers, und der soll doch in erster Linie durch die Reform ent- lastet werden; überdies liegt Verwechslung zwischen Lautzeichen und Schriftzeichen sehr nahe, wenn man verlangt, daſs der Schüler beide schreiben kann. Die Erklärung des Vokal- und Konsonantensystems wird auf der Unterstufe kaum ordentlich verstanden, und selbst wenn sie verstanden wird, hat sie für die richtige Repro- duktion der Laute keinen so grofsen Wert, als man gewöhnlich annimmt.“ — Ich wülste diesem Ausspruch kaum etwas hinzuzufügen.
Hauptsache zur Erzeugung einer guten Aussprache bei den Schülern wird immer die Aussprache des Lehrers selbst bleiben. Ist die nicht gut, dann helfen alle phonetischen Systeme nichts. Die Aussprache des Lehrers wird aber durch laut- physiologische Studien allein nicht gut und richtig; ein längerer, systematisch gepflegter Umgang mit gebildeten Ausländern, oder noch unendlich viel besser ein längeres Verweilen im Auslande und damit verbundenes sorgfältiges UÜben von Ohr und Zunge müssen korrigierend hinzutreten.
Damit ist schon genugsam angedeutet, daſs die neue Methode erheblich höheren Anforderungen au corps enseignant stellt, als die alte, sowohl was Vorbildung, als auch Thätigkeit in den Unterrichtsstunden anbetrifft. Ein neues Lehrbuch kann schliefslich rasch in einer Anstalt eingeführt werden; den Geist einer neuen Methode dort völlig zur Geltung zu bringen ist zeitraubend und schwierig.
Zum Schluss noch eine Bemerkung. Die Realschulen ohne Latein haben be- sondere Ursache, vorsichtig in der Annahme eines neuen Lehrverfahrens zu sein. Wenn an einer Lateinschule, wo also dem Französischen das Latein vorrausgeht, sich ein französischer Unterricht ohne den Rückgrat guter Grammatik aufbaut, so ist der Verlust der Schüler nicht allzu bedenklich, denn sie sind der grammatischen Durch- bildung durch den(vorausgesetzt guten) lateinischen Unterricht sicher, das Französische kann sich gleichsam schlingpflanzenartig am festen Stamme des Lateinischen empor- winden. Anders ist es an lateinlosen Schulen. Hier soll die grammatische Schulung, die formale Bildung— horribile dictu— vorzugsweise durch das Französische erreicht werden. Das bedeutet ernste Arbeit für Lehrende wie Lernende. Da darf die Zeit nicht mit Experimenten verloren werden. Drei schwierige Aufgaben stellen sich hier dem Lehrer des Französischen von vornherein gegenüber: Grammatische


