Die Reform der Gewerbeschulen, die für die hiesige im Wesentlichen in der Einführung allgemein bildender Disziplinen besteht, während für die altpreussischen gleichzeitig eine Hebung der Lehrziele eingetreten ist, hat auf zwei Seiten Gegner gefunden: Die Einen bedauern, dass man das bewährte Alte verlassen hat— Andere finden, dass der Eindringling ihnen das, was sie für ihr Besitzthum hielten, verkürzt. Die ersten werden sich vielleicht durch die Versicherung beschwichtigen lassen, dass das bewährte Alte unter allen Umständen festgehalten werden wird,— dass aber die frühere Sitte, alles das vom Lehrplane auszuschliessen, was nicht unmittelbar fach- liches Interesse hatte, nicht zu dem gehört, was sich bewährt hat. Was nämlich zunächst die hiesige Anstalt betrifft, so haben in deren früheren Entwickelungsperioden die allgemein bildenden Fächer nie ganz gefehlt und bis zum Jahre 1851 einen an- sehnlichen Platz in dem Lehrplane behauptet, sowie ich aus Anzeichen schliessen muss, die nicht hierher gehören, dass die Beseitigung derselben nur mit einigem Widerstreben zugestanden worden. Aber ungleich schlagender für die Nothwendigkeit jener Umge- staltung ist diess, dass der„Verein deutscher Ingenieure“ bei den in technischen Kreisen hinlänglich bekannten Berathungen über die Einrichtung polytechnischer Schulen und die geeignete Vorbereitung für diese die Resolution gefasst hat, dass die bis- herige einseitige Vorbereitung für den gesellschaftlichen Standpunkt eines Ingenieurs nicht ausreicht, so dass also die grosse Mehrzahl dieses jetzt aus 1400, damals aus etwa 1000 Mitgliedern bestehenden Vereins, welche jenen Bildungsgang durchlaufen hat und nachträglich an sich selber prüfen konnte, aus dieser ihrer eigenen Erfahrung dessen Mangelhaftigkeit bekannt hat.
Die Aussicht mit den andern Gegnern— ich meine die bestehenden Real- schulen*)— zu einem friedlichen Abkommen zu gelangen, scheint einstweilen weniger
*) Ausdräcklich aoll bemerkt sein, daas die nachfolgenden Zeilen ohne jede Bezichung auf cine einzelne Anstalt abgefasst sind.


