II. Chronik der Anstalt.
In der Zusammensetzung des Lehrerkollegiums sind während des verflossenen Schuljahres folgende Veränderungen eingetreten. Kandidat Steckelberg verliefs die Anstalt Ostern 1881, um eine Stelle als wissenschaftlicher Hilfslehrer an der Realschule I. 0. zu Mülheim an der Ruhr zu übernehmen. Die von ihm bis dahin gegebenen mathematischen und naturwissenschaftlichen Lectionen wurden unter die Kandidaten Sauerborn und Klau verteilt. Da infolge der Errichtung einer neuen(fünfzehnten) Klasse(vergl. S. 26 und S. 40) zum Beginne des neuen Schuljahres die Heranziehung einer weiteren Lehrkraft notwendig war, so wurde der Hilfslehrer Spamer, der bereits seit Anfang März 1881 an der Anstalt thätig war, mit voller Stundenzahl kommissarisch beschäftigt. Durch Verfügung vom 28. Juli 1881 überwies das Königliche Provinzial-Schul- kollegium den Kandidaten Wilhelm Werle und durch Verfügung vom 1. September den Kandidaten Dr. Wilhelm Hofmann dem Gymnasium zur Ableistung des Probejahres. Auf den Antrag des Bericht- erstatters genehmigte Seine Excellenz der Herr Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Ange- legenheiten unter dem 15. October pr. die Einrichtung einer neuen ordentlichen Lehrerstelle. Dieselbe wurde vom Provinzial-Schulkollegium dem Hilfslehrer Dr. Thomae übertragen, über dessen Leben die nachstehende Mitteilung Auskunft gibt.
Heinrich Thomae, geboren den 2. September 1854 zu Dienethal bei Nassau, erhielt seine Vorbildung auf dem Grme eihun in Wiesbadbn, welches er Ostern 1873 mit dem Zeugnis der Reife verliels, um in Leipzig Philologie und Geschichte zu studieren. Dort war er ordent- liches Mitglied des Königlichen katordonhn Seminars. Am 12. Mai 1877 wurde ihm von der philosophischen Fakultät der Universität auf Grund einer Dissertation über„die Chronik des Otto von St. Blasien“ die philosophische Doktorwürde verliehen. Im März 1878 bestand er daselbst vor der wissenschaftlichen Prüfungs-Kommission das Examen pro fac. doc. und wurde zu Ostern desselben Jahres vom Provinzia-Schulkollegium dem hiesigen Gymnasium als Probe- Kandidat überwiesen. Nach Ablauf des Probejahres begleitete er Seine Königliche Hoheit den Landgrafen Friedrich von Hessen nach Schloss Panker in Holstein, um den Prinzen Friedrich Karl für das Gymnasium vorzubereiten. Am 1. Oktober 1879 kehrte er als wissenschaftlicher Hilfslehrer an das hiesige Gymnasium zurück. Durch Verfügung vom 23. November 1881 wurde er zum ordentlichen Lehrer ernannt und am 28. November in Gegenwart des Lehrerkollegiums vom Direktor vereidigt.
Dem ersten Oberlehrer des Gymnasiums Prorektor Otto verlieh der Herr Minister der geistlichen etc. Angelegenheiten unter dem 18. Oktober 1881 den Professortitel.
Am 3. Januar 1882 überwies das Provinzial-Schulkollegium der Anstalt den Kandidaten Konrad Schneider zur Ableistung des Probejahres.
Im Uebrigen ist aus der Chronik der Anstalt noch Folgendes zu berichten:
1) Nachdem am 25. April 1881 die Prüfung der neu aufzunehmenden Zöglinge stattgefunden hatte, wurde Tags darauf das neue Schuljahr mit einem Aktus éröffnet, in welchem nach Gesang und Gebet die Schulordnung vorgelesen und erläutert wurde.
2) Die Pfingstferien dauerten vom 5. bis 12. Juni.
3) Am 5., 14., 15., 18. und 19. Juli wurde wegen zu grosser Hitze der Nachmittagsunterricht ausgesetzt.
4) Die Herbstferien dauerten vom 14. August bis zum 19. September.
5) Vom 15. September ab war der Gymnasiallehrer Dr. Wesener zu einer achtwöchentlichen militärischen Uebung als Reserve-Offizier einberufen. Er konnte daher nur in den vom Dienste freien Stunden Unterricht erteilen. Die Mehrzahl seiner Lektionen wurde dem Kandidaten Werle übertragen, der in jenen Wochen auch das Ordinariat der Untertertia verwaltete.— Sonst musste auf längere Zeit nur


