Aufsatz 
Nassauische Chronisten des Mittelalters / vom Gymnasiallehrer Dr. Widmann
Entstehung
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Bulle(petitio carissimae etc.) des Papstes Benedikt XI ¹) v. 16. cal. febr. 1304(17. Jan.), worin derselbe dem Erzbischof Gerhard von Mainz droht bei längerer Weigerung die Kirche zu Clarenthal durch den Trierer Erzbischof, nämlich Diether v. Nassau, weihen zu lassen. Diese noch vorhandene Urkunde ist unter Nr. A 7 in dem schon genannten Kopialbuch des Klosters mit folgenden Worten verzeichnet:Item der bischoff zu Mentz woltt vnser kirchen nit wyhen do geboth em der bobst benedictus der XI woltt er sie nit wyhen so woltt er solichs zu dun gebitten dem bischoff zu driere das er sie soltt wyhen durch bobstlichen gewoltt des han wir eyn boln von benedicto dem XI. Zur Sache s. Schliephake IV, S. 45.

Eine seither unbekannte chronikalische Notiz für die Geschichte des Klosters fanden wir im hiesigen Staatsarchiv. Unter den Urkunden des Klosters befindet sich ein Pergamentblatt in gr. Fol.(No. 17), geschrieben in der Mitte des 15. Jahrh., c. 43 cm hoch, 21 em breit, welches, wie Nagellöcher am Rand zeigen, einst an die Wand geheftet war. Es ist ein Verzeichnis der dem Kloster verliehenen Ablässe, berichtet aber im Eingang von der Einweihung der Kirche im J. 1321, eine Nachricht, mit welcher die Angabe von der Einweihung des Klosters im J. 1304 sich schwer vereinbaren lässt. Allerdings war durch den Krieg im J. 1318 ²) das Kloster zerstört; die Nonnen waren zur Auswanderung gezwungen worden, so dass nach dem Wiederaufbau desselben auch eine Wiedereinweihung erfolgen musste; aber sonderbarer Weise wird die Benediktion von 1321 ausdrücklich als die erste bezeichnet. Entweder war demnach trotz der Bulle des Papstes im J. 1304 eine feierliche Einweihung der Kirche nicht erfolgt, was uns nicht wahrscheinlich dünkt, oder man sah, da die erste Kirche wohl mit den übrigen Klostergebäulichkeiten zerstört worden war, die Einweihung der wiederaufgebauten als die erste an. Der Wortlaut der Notiz ist folgender:

Anno ab incarn. domini MeCCCo vicesimo Pri In vigilia Annunciationis virginis gloriose(24. März) Consecrata est ecclesia et chorus sororum ordinis Ste Clare In Clarendayl In honore virginis gloriose in quo

uidem choro sorores divina celebrant ofticia. In dem Jare nach Crist geburt Me0CCo vnd eyn vnd zwentzig Jur uff vnser frauwen obent Annunciacionis Ist gewyhet worden diesse kirche vnd der Chore der swestern Sant Claren ordens zu Clarendayll In die Ere Marien der wirdigen Jungfrauwen. In dem selben Chore die swestern haltent vnd begehent die sieben getzyde. Item der fron Altare In der kirchen ist gewyhet in die Ere der heyligen dreyfaltigkeyt, des heiligen Crutzes vnd aller Apostolen vnd Ewangelisten. Dyesen nachgeschreben Aplas sal Aroien eyn iglicher glaubiger vnd andechtiger mensche in diesem monster Säânt Claren ordens zu Clarendayl. A. Zum ersten von dem bischoff bruder Tiethmaro Sant bernhardts orden der da zum ersten gewyhet hatt diese kirche werdent gegeben Aplas eyns Jahrs vnd eyn karienen vnd viertzig tage von ieglichem altar vnd von der kirchen vnd von dem Chore als vil etc. B. Er nochgeschriben aplas der ist gegeben vnd bestediget von funff bebsten vnd von sehes yertzbischoff vnd ist gesommet vnd gerechent an eyn somme.

Darauf folgt das Verzeichnis der Ablässe, von denen übrigens keine Urkunde vorhanden ist. Der genannte Tiethmar war Weihbischof von Mainz, Episcopus Gabulensis i. p. inf., O. Cist. und kommt urkundlich 1319 1328 vor. S. Jo. rer. Mog. II, 426. Das Blatt war ähnlich wie die Vita Ludwigs von Arnstein in der Kirche und zwar wohl im Chore angebracht.

Or Gimon Widmann, Gymnasiallehrer.

¹) Benedikt XI erwählt 22. Oktob. 1303, 6. od. 7. Juli 1304. ²) Schlieph. IV, S. 50.