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er ist auch der Gründer des trefflichen Bonner Laboratoriums. Neuerdings hat jede deutsche Universität eine besondere Arbeitsstätte für die Studierenden der Chemie, und es lusst sich denken, dass die Erfahrungen, die in den älteren Laboratorien gemacht worden sind, bei der Anlage der neueren verwertet wurden und dass dieselben mit allen nur denkbaren Einrichtungen versehen sind, welche zur Förderung der Arbeiten beitragen können. Auch in Oesterreich sind einige ausgezeichnete Laboratorien in den letzten Jahrzehnten entstanden, aber die anderen europäischen Staaten sind in dieser Beziehung weit hinter Deutschland zuriickgeblieben. Wenn auch, wie bereits oben erwähnt wurde, Frankreich schon im Anfang unseres Jahrhunderts einzelne chemische Laboratorien besass, so erleichterten dieselben als Privatanstalten, die vom Staat nur wenig unterstützt wurden, das Studium der Chemie nicht wesentlich, indem sie nicht jedem zugänglich waren und auch ihre Benutzung nicht unbedeutende pekuniäre Opfer nötig machte. Erst in der neuesten Zeit, namentlich durch die Bemühungen des Professors Würtz, haben sich diese Verhältnisse geändert. Auch in England hat man erst in den letzten Jahren die Bedeutung der Unterrichtslaboratorien schätzen gelernt und angefangen, den Mangel an derartigen Instituten zu beseitigen.
Auf allen Universitäten ist jetat der Unterrichtsgang im wesentlichen der gleiche. In den Hörsälen wird der Studierende durch Vorlesungen, die durch gecignete Versuche erläutert werden, in die Wissenschaft eingeführt und mit dem jetzigen Stand derselben bekannt gemacht; in dem Laboratorium wird ihm Gelegenheit geboten, sich mit den chemischen Operationen der qualitativen und der quantitativen Analyse, sowie der Darstellung chemischer Präparate vertraut zu machen und sich Gewandtheit im Gebrauch der Apparate zu verschaffen. Wenn der jetzige Universitätsprofessor in seiner Eigenschaft als Lehrer diese Ziele als die richtigen anerkennt und verfolgt, so verfährt er genau nach dem Muster, welches eine der kostbarsten Hinterlassen- schaften des grössten Chemikers aller Zeiten ist. In Justus v. Liebig, der die chemische Wissenschaft wie kein anderer durch neue Entdeckungen bereichert, ihre Wahrheiten auf andere Wissenschaften angewandt und deren günstige Weiterentwicklung dadurch gefördert, der sie auch vielen Zweigen der Industrie und namentlich der Landwirtschaft nutzbar gemacht hat: in ihm verehren wir den Begründer des chemischen Unterrichts auf unseren Hochschulen.
Es ist noch nicht lange her, dass die Chemie einen besonderen Unterrichtsgegenstand unserer Schulen bildet. Dies hängt naturgemäss mit der späten Entwicklung des chemischen Unterrichts auf den Universitäten zusammen. In den ersten Dezennien unseres Jahrhunderts beschränkte sich der naturwissenschaftliche Unterricht auf den Gymnasien auf notdürftige Unter- weisung in Zoologie und Botanik in den unteren und mittleren Klassen und in Physik(1 bis 2 Stunden wöchentlich) in der obersten oder den beiden oberen Klassen. Nachdem für das Studium der Chemie auf den Universitäten besser gesorgt worden war, wurden auch Stimmen laut, die der Chemie als Unterrichtsgegenstand der Gymnasien das Wort redeten. War es aber der chemischen Wissenschaft nicht leicht geworden, sich ihren Platz auf den Hochschulen zu erobern*), so erregte der Versuch, sie als Bildungsmittel in den Gymnasien zu verwerten, namentlich bei den Vertretern des klassischen Altertums und der Theologie den grössten Un- willen. So äusserte Superintendent Dr. Grossmann in Leipzig als Königlich Sächsisches
*) Vergleiche den Brief Liebigs an Wöhler vom 1. Juni 1840. Darin heisst es: Die Chemie stand bisher, den anderen Fächern gegenüber, in einer sonderbaren Lage, wir werden gewissermassen als Eindringlinge be- trachtet; allein dies soll sich ändern, sie soll neben oder über den anderen stehen.“


