Aufsatz 
Vergleichende Darstellung der lateinischen und französischen Conjugation
Entstehung
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4. Chronik der Anſtalt.

Das Schuljahr 1874/75 nahm mit dem 13. April 1874 ſeinen Anfang. Bald nach dem Beginne desſelben trat eine Veränderung im Lehrer⸗Collegium ein; es wurde nämlich der prov. Hilfslehrer Schwarz durch hohes Decret Großherzoglicher Ober⸗ ſtudien⸗Direction vom 28. Mai zum proviſoriſchen Lehrer am Großherzoglichen Schullehrer⸗Seminar zu Friedberg ernannt. Schwarz ſchied am 14. Juni aus dem hieſigen Lehrer⸗Collegium, in welches er am 24. Juni 1870 eingetre⸗ ten war. Da der Genannte durch Bethätigung großen Fleißes und voller Hin⸗ gebung an ſeine amtliche Wirkſamkeit dem hieſigen Gymnaſium gute Dienſte geleiſtet hat; ſo verfehlen wir nicht, ihm den gebührenden Dank zu erſtatten. Den erledigten Poſten verlieh Großherzogliche Oberſtudien⸗Direction durch hohes Decret vom 5. Juni 1874 dem Stadtſchullehrer Ludwig Fink zu Büdingen, welcher die ihm über⸗ tragenen Functionen am 22. Juni antrat. Ueber ſeinen bisherigen Lebenslauf und ſeinen Bildungsgang berichtet derſelbe Folgendes:

Ludwig Fink, Sohn des Großherzoglichen Kunſtmeiſters Fink zu Salzhauſen, wurde am 10. December 1835 zu Kohden im Kreiſe Nidda geboren. Seinen erſten Unterricht genoß er in der Stadt⸗ ſchule zu Nidda, ſpäter beſuchte er zu ſeiner weiteren Ausbildung das zu Nidda beſtehende Inſtitut, und im Jahr 1835 trat er in das Seminar zu Friedberg. Nach Beendigung des zweijährigen Kur⸗ ſus wurde er im Herbſte 1855 als Gehülfe an der erſten Schule zu Heuchelheim bei Gießen ver⸗ wendet. Im Herbſte 1857 beſtand er die Definitorialprüfung, verwaltete dann von 1858 bis Oſtern 1863 die Schulſtelle zu Thal⸗Itter im Kreiſe Vöhl und von Oſtern 1863 bis zum 8. Februar 1868 die II. Elementarſchule zu Büdingen. Nach erfolgter Präſentation von Seiten Seiner Durchlaucht des Fürſten zu Yſenburg und Büdingen wurde ihm unterm 28. Februar die letzterwähnte Stelle definitiv übertragen. Unterm 5. Juni 1874 ernannte ihn Großherzogliche Oberſtudien⸗Direction proviſoriſch zum Hilfslehrer am Gymnaſium zu Büdingen.

Am 4. Juli unternahmen der Director und zwei Lehrer, nämlich Dr. Weyerhäuſer und Fink, mit einem Theile der Schüler einen Ausflug in den Vogelsberg nach Fiſchborn, wo die Wanderer mit Bewunderung die verſchiednen großartigen Einrichtungen beſchauten, welche die Frankfurter Quell waſſerleitungs⸗ Geſellſchaft getroffen hat, um Frankfurt ausgiebig mit gutem Waſſer zu verſehen.

Die Erinnerung an den glor⸗ und erfolgreichen Sieg, welchen die Deutſchen in den erſten Tagen des Septembers 1870 bei Sedan erkämpften, feierten die Lehrer und die Schüler des Gymnaſiums gemeinſam am 2. September des Vorjahrs. Acht Tage nach dieſer Feier wohnten ſie einem in der Nähe Büdingens von einer Diviſion des 11. Armeecorps ausgeführten Feldmanöver bei.

Das Sommer⸗Semeſter ſchloß am 11. September mit einem öffentlichen Rede⸗ Actus..

Durch Miniſterial-Verfügung vom 24. November 1874 wurden die Ge⸗ halte und Remunerationen der Hilfslehrer am Gymnaſium erhöht und durch Allerhöchſtſe Decrete vom 24. December 1874 ſämmtliche definitiv ange⸗ ſtellte Lehrer in den Genuß erhöhter Beſoldungen geſetzt.

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