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Bei dieſem Streben ſtand er in ſeinen Jugendjahren auf dem pſychologiſch⸗ethiſchen Standpunkte und ging über das Einzel⸗Gewiſſen der Menſchen ſelten hinaus; ſpäter aber wurde er zu einer mehr religiös⸗ethiſchen Weltanſchauung geführt und ſtellte nun in der Weiſe der Alten die Vergeltungsidee häufig als ein von außen in die Menſchheit herein⸗ wirkendes dämoniſches Weſen dar. Conſequent freilich konnte er in der antiken Vorſtellung und Darſtellung von der Nemeſis und weiter von dem Schickſal nicht werden. Dazu war ſeine Religion zu hell, zu philoſophiſch und chriſtlich; dazu waren auch alle übrigen ſittlichen Ideen zu mächtig in ihm. Uebertrug er, wie das nicht anders ſein konnte, dieſe ebenfalls auf die Gottheit, ſo mußte ſie ihm freundlicher erſcheinen, als den alten Tragikern, die in ihr vorzugsweiſe die Vergeltungsidee erblickten. Namentlich mußte
die Idee der innern Freiheit,
die in der Menſchenſeele Klarheit ſchafft, ihn auch ein klares Weltregiment erkennen und glauben laſſen.
Wenn die Betrachtung dieſer Idee der innern Freiheit bei der Muſterung aller prak⸗ tiſchen Ideen in Schiller zum Schluß verſpart worden; ſo iſt das geſchehen, weil ſie an dieſer Stelle bequemer von Statten geht, als zu Anfang. Die Gedankenmaſſen, welche die Idee der innern Freiheit bei Schiller zu ordnen und zu beherrſchen hatte, ſind uns jetzt zum großen Theil ſchon gegenwärtig. Wir wiſſen, wie die Idee der Vollkommenheit ihn urtheilen ließ und wohin ſie ihn trieb; wir kennen die Wurzel und Tendenz der Idee des Wohlwollens in ihm; wir erinnern uns, daß die Idee des Rechts ſchon früh mächtig in ihm wurde und ihn von da an viel beſchäftigte; uns iſt noch ganz friſch im Gedächtniß, einen wie breiten Platz die Idee der Billigkeit in ſeinem Geiſtesleben einnahm. Einer der⸗ ſelben völlig zu genügen, fordert ſchon einen ganzen Mann, zumal da ſie zuweilen ſelbſt nicht recht wiſſen, was ſie wollen. Welche Aufgabe war es alſo für Schiller, allen gegenüber entſchieden und ruhig zu bleiben, auch dann, wenn dieſe abſoluten Herrſcher einander widerſprachen: wenn die Idee des Rechts verbot, was die Idee der Billig⸗ keit forderte, oder wenn die Idee des Wohlwollens tadelte, was die Idee der Vollkom⸗ menheit pries!
Die Idee der innern Freiheit hatte aber noch mehr zu thun; denn ſie gibt, wie der Coadjutor Dalberg ganz richtig an Schiller ſchreibt,„der menſchlichen Seele die Vorſchrift: Sei einig mit dir ſelbſt, mithin folge dein Wille den unwandelbaren Wahrheiten, die deine Vernunft erkennt. Aber dein Wille erfülle auch alle diejenigen Wünſche des Herzens, die rein ſind und mit den Vorſchriften der Vernunft nicht in Widerſpruch ſtehen.“ Schiller mußte alſo auch an die Befriedigung der ſonſtigen äſthetiſchen Forderungen denken. Die eigenen Kunſtwerke mußten den Kunſtgeſetzen gemäß gemacht und die fremden darnach beurtheilt werden. Es mußte entſchieden werden, ob Verſe der Proſa vorzuziehen ſeien, wo der Reim am Platze ſei und wo nicht u. ſ. w. Außer dieſer Entſchiedenheit des äſthetiſchen


