Aufsatz 
Zum Lehrplan des Gymnasiums. Erwägungen in nationalem Sinne
Entstehung
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Zum Lehrplan des Gymnaſiums.

Erwägungen in nationalem Sinne.

Der nationale Standpunkt.

Uachdem die deutſche Nation die äußern Hemmniſſe der freien und ſelbſtändigen Be⸗ ſtimmung und Ordnung ihrer eigenen und gemeinſamen Angelegenheiten durch die Gewalt der Waffen gründlich aus dem Wege geräumt hat, arbeitet ſie ernſtlich an der Aufführung eines Baues zur Sicherung ihrer inneren nationalen Entwickelung. Das ſtarke und gehobene Selbſtgefühl, welches ſie hierbei offenbart, läßt bei dem unbefangenen Beobachter keinen Zweifel über die vorherrſchende Richtung der jetzigen Strömung aufkommen. Unſtreitig iſt die allge⸗ meine Stimmung derjenigen ähnlich, welche einige Jahre hindurch obwaltete, als die Erinne⸗ rungen an die Freiheitskriege noch ihre belebende Wirkung ausübten. In jenen Zeiten jedoch konnten die nationalen Beſtrebungen nicht als frei geſtaltend und ſchaffend zur Geltung gelangen, weil die Nation mit fremdartigen, namentlich ausländiſchen Factoren zu rechnen hatte und die Regierungen, welche damals noch allein die innere ſtaatliche Richtung beſtimmten, mit den deutſchen Einheitsideen nicht einverſtanden waren. Die Folge davon war, daß der deutſch⸗ nationale Patriotismus, der ſich beſonders der ſtudirenden Jugend bemächtigt hatte, allmählich erkaltete oder meiſt ſtill unter der Aſche glimmte, bis die herausfordernde Anmaßung des franzöſiſchen Machthabers ihn wieder anfachte, ſo daß er nun mit unwiderſtehlicher Macht das ganze Volk ergriff und zu Thaten im Sinne der Einheit drängte. Unter dem Donner der deutſchen Kanonen erfolgte im Angeſicht der gefeſſelten Hauptſtadt des Erbfeindes der deutſchen Einheit die Verkündigung des wiederhergeſtellten deutſchen Kaiſerthums. Das war die Funda⸗ mentirung des nationalen Bauwerkes. Und wenn nicht alle Zeichen trügen, ſo werden auch weiterhin die Früchte der unermeßlichen Opfer, welche die Nation wieder mit voller Freudigkeit und Willigkeit dem Vaterlande gebracht hat, zur Reife gelangen. Das Bewußtſein wenigſtens, mit welchem das Ziel und die dahin führenden Wege erkannt werden, läßt nichts zu wünſchen übrig. Jetzt müſſen aber auch alle Factoren, welche zur Vollendung des nationalen Werkes berufen ſind, ſich die ihnen zufallende Aufgabe klar machen, und ſie müſſen dies von dem nationalen Standpunkte aus thun, aufrichtig und rückhaltslos: wo nicht, ſo werden ſie nicht gehört. Es treten im Leben der Völker Momente ein, in welchen die nationalen Elemente ſo ſtark wirken, daß von den vaterländiſchen Intereſſen die ſonſtigen als ſtörende zurückgewieſen werden. Wer aber mit offenem Auge und mit warm für das Vaterland ſchlagendem Herzen dem Gange der Dinge in unſerem Vaterlande ſeit fünfzig Jahren gefolgt iſt, der wird nicht

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