Aufsatz 
Lehrplan des Gymnasiums in ausführlicher Darstellung
Entstehung
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anheimfallen, noch zu ſehr durch verſtandesmäßige Begriffsbeſtimmungen beleuchtet werden, ſondern weſentlich auch zur Erwärmung des Gefühls führen. Die Zweckmäßigkeit des Ge⸗ brauchs einer deutſchen Grammatik bei dieſem Unterricht iſt in Zweifel zu ziehen; als noth⸗ wendig erſcheint derſelbe keinesfalls. Die Lehre von der Satzbildung fällt ja dem lateiniſchen Unterricht zu, und ſo bleibt nur außer der Orthographie und der Interpunction der Gebrauch und die Reetion der Präpoſitionen übrig. Die Poetik und Rhetorik werden nicht in ausführ⸗ licher Theorie behandelt; für die Figuren und Tropen genügt eine Beiſpielſammlung, wie die von Kehrein. Die Wahl der Themata für die deutſchen Aufſätze in den oberen Klaſſen iſt ſo wichtig, daß man ohne ſich der Gefahr, der Uebertreibung beſchuldigt zu werden, auszu⸗ ſetzen, wohl behaupten darf, von dieſer Wahl hänge im Ganzen der Erfolg des deutſchen Unterrichts ab. Dieſe Wahl nun wird beſtimmt durch den durchſchnittlichen Standpunkt der ſämmtlichen Schüler der Klaſſe, ſo daß ihnen die Bearbeitung keines Gegenſtandes zugemuthet wird, deſſen Stoff ihnen nicht bekanut oder doch leicht zugänglich iſt. Ein ſehr wirkſames Höülfsmittel iſt durch die Einrichtung der Schülerbibliothek, für jede Klaſſe beſonders, geſchaffen. Auf die Vervollſtändigung derſelben wird unausgeſetzt Bedacht genommen.

Sexta. Leſen und mündliches Nacherzählen des Geleſenen. Lernen und Vortragen von Gedichten, hauptſächlich aus dem Gebiete der vaterländiſchen Sage und Geſchichte. Grammatik im Anſchluß an das Leſebuch. Unterſcheidung der Redetheile und der Glieder des einfachen Satzes. Deutſche Formenlehre mit Anſchluß an den lateiniſchen Unterricht, ſowie in Ueberein⸗ ſtimmung mit der grammatiſchen Terminologie desſelben. Rection der Präpoſitionen. Ortho⸗ graphiſche und kleine grammatiſche ſchriftliche Uebungen. Bone's Leſebuch. G

Quinta. Leſen und mündliches, bisweilen auch ſchriftliches Nacherzählen des Geleſenen. Lernen und Vortragen von Gedichten aus dem Leſebuche. Grammatik im Anſchluß an dasſelbe. Die Lehre vom einfachen erweiterten Satze, ſowie die leichteren Formen des zuſammengeſetzten Satzes. Die Conjunctionen. Interpunctionslehre. Orthographiſche und grammatiſche ſchriftliche Uebungen im Bilden von Sätzen und im Interpungiren. Bone's Leſebuch.

Quarta. Leſen und Erklären proſaiſcher und poetiſcher Stücke aus dem Leſebuche, mit mündlichen Uebungen im Auffaſſen und Wiedergeben des Inhalts und im Vortrag von Gedichten. Grammatik im Anſchluß an die Lectüre; die abhängige Rede; der zuſammengeſetzte Satz; Periodenbau. Interpunctionslehre. Ebenfalls im Anſchluß an das Leſebuch gelegentliche Mittheilungen aus der Synonymik und Wortbildungslehre. Orthographiſche Dietate, in denen auch auf die Fremdwörter Rückſicht genommen wird. Kleine Aufſätze erzählenden Inhalts, auch von Selbſterlebtem; Beſchreibungen nach vorgängiger Beſprechung, beſonders auch der Anordnung. Bone's Leſebuch.

Untertertia. Leſen und Erklären proſaiſcher und poetiſcher Stücke aus dem Leſebuche; beſonders Gedichte epiſch⸗lyriſcher Art. Dabei die nöthige Belehrung über Versmaß und allge⸗ meine metriſche Geſetze. Uebungen im mündlichen und ſchriftlichen Reprodueiren und Umformen. Eine zuſammenfaſſende Ueberſicht über die Satzlehre und die Formenlehre. Unterſchied der ſtarken und ſchwachen Declination und Conjugation. Fortgeſetzte Belehrung über ſynonymiſche Unterſchiede und Wortbildung. Vortrag von Gedichten. Kleine freie Vorträge aus dem Gebiete der griechiſchen und römiſchen Geſchichte, oder aus der Privatleetüre. Aufſätze über vorher beſprochene Themata erzählenden Inhalts, oder Beſchreibungen von Natur⸗ und Kunſt⸗ gegenſtänden, die den Schülern bekannt ſind. Von Zeit zu Zeit auch Ueberſetzungen aus fremden Sprachen, wobei Gelegenheit genommen wird, auf die Unterſchiede der deutſchen Syntax von der der andern Sprache hinzuweiſen. Pütz' Leſebuch.