Aufsatz 
Lehrplan des Gymnasiums in ausführlicher Darstellung
Entstehung
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Zweites Jahr: Grundbegriffe der chriſtlichen Glaubens⸗ und Sittenlehre in ihrer Be⸗ ziehung zu den vorchriſtlichen Religionen, namentlich der orientaliſchen, griechiſchen und römiſchen unter beſonderer Hervorhebung der apologetiſchen Momente.

Für das Zeugniß der Reife wird gefordert: Kenntniß der heil. Schriften nach ihrer Entſtehung, ihrem Inhalt und ihrem innern Verhältniß zu einander, wie zu der Geſammt⸗ heit des Bibelcanons; Kenntniß der Kirchengeſchichte nach den Hauptmomenten der Bildung und Entwicklung der chriſtlichen Kirche, Kenntniß der Grundzüge der evangeliſch⸗chriſtlichen Glaubens⸗ und Sittenlehre.

II. Deutſch.

Für die unteren und mittleren Claſſen wird die Einrichtung feſtgehalten, daß der deutſche und der lateiniſche Unterricht in die Hand desſelben Lehrers, der zugleich Ordinarius der Klaſſe iſt, gelegt wird. Hierdurch iſt die Herbeiführung des Ineinandergreifens der gramma⸗ tiſchen Beziehungen beider Sprachen erleichtert. Die Uebungen im Leſen und in der Ortho⸗ graphie nehmen anfangs die aufmerkſame Thätigkeit des Lehrers ganz beſonders in Anſpruch. In der deutſchen Orthographie folgen wir derAnleitung zur deutſchen Rechtſchreibung; zu⸗ ſammengeſtellt im Auftrage des vormaligen Königl. Ober⸗Schulcollegiums zu Hannover und nunmehr auf's neue herausgegeben von Dr. Seffer und Dr. Dickmann; ſowohl weil wir mit den in jener Schrift aufgeſtellten leitenden Normen am meiſten einverſtanden ſind, als auch weil wir die Anſicht hegen, es ſei rathſam, ſich auf dieſem Gebiete an ein bereits fertiges Ganzes anzuſchließen. Die gebräuchlichſte Orthographie iſt doch wohl eine in einer beſtimmten Zeit herrſchende Schöpfung der ſtets ſich vollziehenden Sprachentwicklung, womit auch die Wandelung der Ausſprache verbunden iſt. Sie läßt ſich ihre Entwicklungsbahnen nicht durch abſtrahirte Geſetze vorſchreiben. Aus der Mannichfaltigkeit der dabei wirkenden Elemente eine allgemeine, auch nur theoretiſche Uebereinſtimmung herbeizuführen, iſt noch nicht gelungen; aber innerhalb derſelben Anſtalt iſt Uebereinſtimmung ein Gebot beſonnener Pädagogik. In den unteren Klaſſen nun werden die orthographiſchen Uebungen je nach dem Standpunkte der Klaſſe auf dieſem Gebiete in ſtufenmäßiger Folge ſo betrieben, daß die Schüler Gedrucktes und Geſchriebenes durchaus fehlerfrei abzuſchreiben haben, ſodann Dictirtes, welches ſie vorher ſelbſt durchgeleſen haben und demnächſt ſolches, welches ſie nicht geleſen haben, nachſchreiben und endlich, daß ſie Auswendiggelerntes unter aufmerkſamer Aufſicht des Lehrers richtig wiedergeben müſſen. Im Verlauf dieſer Uebungen werden die greifbarſten und wichtigſten Regeln der Rechtſchreibung allmählich zuſammengefunden. Hiermit wird die Interpunction in Verbindung und allmählich aus der Praxis bis zu einem gewiſſen Grade bewußter Theorie gebracht. Bei der Correctur der deutſchen ſchriftlichen Arbeiten werden die nöthigen Verbeſſe⸗ rungen im Anfange alle von dem Lehrer geſchrieben und erſt ſpäter auf die von dieſem gemachten Zeichen oder Anweiſungen von dem Schüler gemacht. Im Uebrigen iſt der deutſche Unterricht nicht bloß Sache desjenigen Lehrers, welchem derſelbe nach dem Lectionsplan zuge⸗ theilt iſt, ſondern aller Lehrer insgeſammt. Denn die bewußte Erkenntniß der Geſetze der Mutterſprache erfolgt, wie ſchon oben erwähnt iſt, zunächſt und am beſten durch die Vermitte⸗ lung des lateiniſchen Unterrichts, weiter durch das, was der Schüler, wenn er aufmerkſam iſt, hört und lieſt, endlich durch die Anleitung, welche er erhält, um das, was er geſehen und gehört hat, richtig wiederzugeben. Demnach fällt das Gewicht des deutſchen Unterrichts auf die richtig geleitete Lectüre. Der Lehrſtoff aber ſoll uicht der Theilung und Zerſtückelung