Aufsatz 
Lehrplan des Gymnasiums in ausführlicher Darstellung
Entstehung
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bringen, iſt Zweck des alljährlich vor dem Beginn des neuen Schuljahres durch das Lehrer⸗ collegium auf Grund eingehender Berathungen feſtzuſtellenden Lectionsplans, welchem dann der vorliegende ausführliche Lehrplan als Grundlage dient. Es ſoll eben wo möglich keine Verbeſſerung in der Lehrverfaſſung des Gymnaſiums, die durch eigenes Nachdenken der Lehrer und Anregung von Außen an die Hand gegeben oder durch neue und beſſere Hülfsmittel geboten wird, verloren gehen, jede Gefahr des Stagnirens aber vermieden werden. Es bedarf wohl kaum der Verſicherung, daß in Beziehung auf Aenderung der Methode oder der Lehr⸗ bücher alles Experimentiren ausgeſchloſſen wird; daß namentlich die Wahl der Schulbücher mit der größten Sorgfalt geſchieht und daß, wenn die Wahl getroffen iſt, die Lehrer ſich auch ſtreng daran halten. So wird in der Regel nach billiger Schätzung ein befriedigender Erfolg gewonnen werden können. Wenn aber ein ſolcher nicht bei allen Schülern erreicht wird, ſo werden ſich die Lehrer nicht irre machen laſſen und nicht ermüden. Non omnia nimirum eidem di dederunt. Mit einem ernſtlichen Streben erreicht doch jeder Schüler, wenn er nicht durchaus invita ut aiunt Minerva die Bahn der Gymnaſialſtudien betritt, für ſeine geiſtige Entwickelung einen nicht gering anzuſchlagenden Gewinn, der in den mannichfaltigſten Lebensverhältniſſen wohlthätigere und erſprießlichere Wirkungen äußert, als eine Ausſtattung mit ſogenannten greifbar nützlichen Kenntniſſen. Wie mancher ſpürt dieſe Wirkungen, ohne daß er noch an die Quelle derſelben denkt oder denken mag. Das Gymnaſium bildet mit der Geſammtheit ſeiner Unterrichtsgegenſtände, die nicht blos auf ſogenannte formale Bildung berechnet ſind, ſondern auch einen Schatz inhaltsvoller und belebender poſitiver Kenntniſſe gewähren, eine auf die wahre Vervollkommnung des Menſchen berechnete geiſtige Paläſtra. Dieſe erfordert allerdings Anſtrengung; aber die Uebung der Kraft iſt es eben, welche die Kraft ſtählt, und die Uebung kommt nicht ohne Anſtrengung. Otto Jahn ſagt(Aus der Alterthumswiſſenſchaft. Bonn 1868, p. 3) von Petrarca:Seine dichteriſche Natur ließ ihn die Schönheit und Fülle der ſprachlichen Form, in welcher die römiſchen Schriftſteller Virgil und Horaz, Cicero und Livius den Gedanken klar und rein ausdrückten, mit übermäch⸗ tiger Gewalt empfinden; ſie zu erkennen und zu genießen, durch Nachbildung ſich anzueignen, ſchien ihm der höchſte Lohn geiſtiger Anſtrengung. Daß ähnliche Wirkungen auch heute noch erfolgen und dem Einfluß der realiſtiſchen Bildungselemente gegenüber ſich vorwiegend geltend machen, iſt offenbar.

. I. Religionslehre. a. Ratholiſche.

Sexta. Die Lehre über das Ziel und Ende des Menſchen; über den Glauben, ſein Weſen und ſeinen Inhalt, ſeine Nothwendigkeit und ſeine Eigenſchaften; über die 12 Artikel des apoſto⸗ liſchen Glaubensbekenntniſſes. Als Lehrbuch wird der Döceſankatechismus gebraucht; die aus⸗ gewählten Antworten werden nach vorausgegangener Erklärung memorirt, beſonders die zur Begründung der Lehren aufgeführten Stellen der hl. Schrift feſt eingeprägt. Die Geſchichte des N. T. bis Theilung des Reiches nach Auswahl aus der bibl. Geſchichte von Dr. Schuſter. Dem Memoriren der einzelnen Geſchichten geht die Erklärung und Nutzanwendung voran. In dieſer und der folgenden Claſſe wird im Anfange des Schuljahres der Beichtunterricht kurz wiederholt. Zugleich werden beim Herannahen der kirchlichen Zeiten und Feſte die betreffenden Belehrungen und Aufforderungen in aller Kürze dem Unterricht beigefügt.