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des Rabbiners Juda Menz aus Padua war er ein tiefer Talmudkundiger und ein streng frommer Mann. In seiner Jugend war er ein Heißsporn gewesen. So hatte er 1487 einen Abgesandten der Jerusalemer Gemeinde, der angeblich für den Bau einer Synagoge, in Wirk- lichkeit für die Taschen der Vorstandsmitglieder Gelder sammeln wollte, einfach von der Kanzel gewiesen. Ebenso hatte er um dieselbe Zeit die Wiedervereinigung der Rabbaniten mit den Karäern, die von Gelehrten beider Richtungen erstrebt wurde, in einer Schrift lebhaft bekämpft. Später war er milder gegen die Karäer gesinnt, und als einige Ueberfromme unter den Rabba- niten das Verhältnis gegenseitiger Duldung, das sich im Laufe der Zeit zwischen beiden Par- teien gebildet hatte, mit Gewalt stören wollten, entwickelte er in einer Schrift, daß das Abstoßen der Karäer ungerecht sei, und daß man nicht bloß das Recht, sondern sogar die Pflicht habe, die Karäer als Juden zu behandeln. Ob das Alter ihn zu gemäßigteren Ansichten gebracht, oder ob die hohe Stellung, zu der er emporgestiegen war, seinen Blick erweitert hatte, so daß ihm jetzt nebensächliche Differenzen minder wichtig als früher erschienen, wird sich schwer entscheiden lassen. Wahrscheinlich haben beide Umstände vereint sein Auftreten gegen religiöse Intoleranz veranlaßt. Sicherlich hat aber einen mäßigenden Einfluß auf sein Urteil auch seine Beschäftigung mit profanen Wissenschaften geübt, die er eifrig pflegte, obwohl er sich als strenggläubiger Rabbanit in erster Linie mit der Religionswissenschaft beschäftigte, die er durch umfangreiche, noch jetzt geschätzte Werke*) förderte.
Besonders eifrig wurden in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts von den Juden in Konstantinopel mathematische Studien betrieben. Josef Salomo D el Medigo(1591— 1657) aus Candia, der außer Theologie und Medizin auch Mathematik und Astronomie studiert hatte, ein Schüler Galileis, klagt zwar in einem in mehrfacher Hinsicht höchst interessanten Briefe an Serach ben Nathan den Karäer in Troki darüber, daß die Rabbiner so wenig Interesse für Mathematik bekundeten:„In alten Zeiten, als die Propheten treue Hirten waren, da gab es Weise und Einsichtsvolle in Israel, alle Kenntnis war ihnen eigen, die Sternkunde war selbst den Schwachen bekannt, die Mathematik umrankte mit ihren einzelnen Zweigen, der Musik, Arithmetik, Algebra und Astronomie, das Gotteshaus. Aber jetzt ist die Kunde davon schwach.“ Und später sagt er:„Die meisten jüdischen Gelehrten empfinden alsbald Widerwillen gegen diese hohe Wissen- schaft, nachdem sie kurz zuvor nach ihr sich gesehnt und ihr Studium begonnen haben, weil der Vorbereitungen dazu viele und die Lehrsätze oft schwierig sind, indem man erst mittels der Arithmetik und Geometrie zur Astronomie sich erheben kann. Kurz, die Masse der Rabbinen versteht in unseren Tagen von den Himmelskörpern gerade so viel wie Ochs und Esel.“ In qemselben Briefe zählt er aber die hebräischen Werke mathematischen und astronomischen Inhalts auf, die er selbst in seiner Bibliothek besitze, und deren sind denn doch nicht wenige. Unter anderm bemerkt er:„Der gelehrte und würdige Mardochai Comtino verfaßte mehrere Schriften nach Anleitung derer des Abraham ibn Esra, erklärte auch dessen Schriften alle; sein Schüler, der berühmte Elia Misrachi, schrieb Commentare zu den
*) n dy v dd, Supercommentar über Raschi's Commentar zum Pentateuch, ein oft gedrucktes Werk, von dem auch Auszüge erschienen sind. Erste Ausgabe Venedig 1527.
d'py d'd Dew. 39 Gutachten über halachische Gegenstände. Venedig 1647. daw r. Sammlung von 100 Gutachten. Konstantinopel 1546.


