Aufsatz 
Über die Philosophie des Sokrates, mit besonderer Berücksichtigung der Abhandlung Schleiermachers:"Über den Wert des Sokrates als Philosophen"
Entstehung
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und deren Conſequenzen darf abhängig werden laſſen, liegt die Sache, wie bereits gezeigt wurde, ganz anders. Hier hat die materialiſtiſche Anſchauung ebenſo wenig ein Recht, wie die panthei ſtiſche. Auf dieſe näher einzugehen, halte ich darum für überflüſſig, weil ſie ſich in den ſittlichen Conſequenzen mit der materialiſtiſchen auffallend berührt und weil der Vorzug der Popularität auch in jugendlichen Schülerkreiſen entſchieden auf Seiten der materialiſtiſchen Ideen iſt. Darum hat die Schule in ihrer ganzen Haltung, ohne die wiſſenſchaftliche Freiheit des Lehrers damit in unberechtigter Weiſe zu beeinträchtigen, auf die in ſolchen Ideen ihr drohende Gefahr Rückſicht zu nehmen. Es genügt freilich nicht, daß ſie zu dieſem Zwecke dem Religionsunterrichte die Auf⸗ gabe zugeſteht, die Schüler in der chriſtlichen Lebensanſchauung zu befeſtigen; ſie muß auch an der ideellen Einheit ihrer Geſammtaufgabe eines wiſſenſchaftlichen, aber zugleich erziehlichen Unter⸗ richts feſthalten.

II. Specieller Theil.

Im erſten Theile iſt verſucht worden, das Ziel des evangeliſchen Religionsunterrichts zu be⸗ ſtimmen. Es fragt ſich nun: Wie iſt es möglich in höheren Schulen, insbeſondere in der Real ſchule dieſes Ziel zu erreichen? Die Beantwortung dieſer Frage ſoll nach drei Seiten hin erfolgen, indem einmal die wiſſenſchaftliche Ebenbürtigkeit des Religionsunterrichts gegen⸗ über den anderen Lehrgegenſtänden dargethan, ſodann die äſthetiſche Würde desſelben und endlich ſeine ethiſche Kraft hervorgehoben wird.

Es verſteht ſich von ſelbſt, daß hier nur der Unterricht der Mittel⸗ und Oberclaſſen in Betracht kommt von da an, wo er über das Penſum der Volksſchule hinausgeht.

1. Die wiſſenſchaftliche Ebenbürtigkeit des Religionsunterrichts.

Die Achtung, die ein Unterrichtsgegenſtand in der Schule genießt, hängt in erſter Linie von der Wiſſenſchaftlichkeit ſeiner Haltung ab, das heißt von der Geſetzmäßigkeit und Kraft, mit denen ein Unterrichtsſtoff den Verſtand und die Urtheilskraft der Schüler zu feſſeln und zu bilden vermag. Die Religion gehört zu den wenigen Lehrgegenſtänden, die durch die ganze Dauer der Schulzeit auf dem Lectionsplan figuriren. Neben ihr thun das nur die Mutterſprache und die mathematiſche Disciplin. Damit iſt dem Religionsunterrichte von vornherein eine hervorragende Bedeutung zugeſtanden. Grundlage dieſes Unterrichts bleibt von Anfang bis zu Ende die Bibel, analog der claſſiſchen Literatur als Leſeſtoff für den mutterſprachlichen Unterricht. Die Behand⸗ lung der Bibel iſt daher in erſter Linie maßgebend für die Haltung unſeres Gegenſtandes.

Als erſter Grundſatz für die Behandlung der Bibel gilt mir der Satz: Die Bibel iſt Kanon für den Glauben im Sinne der Religion und für die aus der Religion unmittel⸗ bar ſich ergebende Sittlichkeit. Sofern die Bibel zugleich religionsgeſchichtliche Urkunde iſt und ſofern ihren Berichten eine beſtimmte Naturanſchauung zu Grunde liegt, iſt ſie ein hoch be⸗ deutſames Zeugniß für die Entwicklung des Volkes Ifrael; aber unbedingte Gültigkeit kann weder ihren hiſtoriſchen Angaben noch ihrer Auffaſſung von Naturverhältniſſen zugeſtanden werden, viel⸗