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Helden in die Fabel seines Stückes aufgenommen hatte und solcher Erniedrigung ein entsprechendes, schwer in die Wage fallendes Gegengewicht unmöglich fehlen durſfte, theils um Aias auch äusserlich die für den Helden der Tragödie erforderliche Würde zu verleihen, theils um uns mit seinem herben Schicksal zu versöhnen. Erkennen wir aber auch hiernach bereitwillig an, dass Sophokles diesen Erfor- dernissen durch die Scenen nach dem Selbstmord nicht nur genügt hat, sondern auch zu genũgen beabsichtigt hat, so bleiben doch immer noch mehrfache Bedenken zurück. Hätte nicht der Dichter diesen Zweck, wenn er keinen weiteren hatte, auf andere Weise in früheren Theilen seines Stückes erreichen können? Hätte nicht wenigstens ein geringerer Umfang der Schlussscenen genügt? Wäre es nicht dem Zwecke entsprechender gewesen die Trefflichkeit des Aias nicht mehr durch die Atriden in Frage stellen, sondern dieselben lieber, wie schon oben gesagt, im erschütternden Hinblick auf ein schweres Schicksal allen Hass vergessen und ohne Widerrede in die Anerkennung des Todten einstimmen zu lassen? Oder, wenn dies die Atriden in ein zu günstiges Licht gestellt hätte um bei dem Zuschauer den Glauben an ihr böswilliges Verfahren in dem Waffenstreite zu erhalten, hätte nicht wenigstens die Einrede eines der Atriden, des Agamemnon, genügt und erscheint nicht das Hereinziehen des Menelaos, da auch dieses eben so wenig als die Schlussscenen überhaupt lediglich aus politischen Rücksichten gerechtfertigt werden kann, und die dadurch bewirkte Steigerung vollkommen überflüssig? Gesetzt auch man wollte alle diese Fragen verneinen, was kaum möglich sein wird, so würde doch immer noch ein erheblicher Vorwurf für den Dichter zurück- bleiben, wenn er um irgend eines Zweckes willen, den er auf andere Weise nicht erreichen konnte, sein Stück so weit über den Abschluss der Haupthandlung ausgedehnt hätte. Dies aber ist eben nicht der Fall. Die Handlung des Stückes, in welcher die Idee desselben sich ausprägt, ist nicht mit Aias Tod beendigt. Aias hat sich im Uebermass verletzten Ehrgefühls zu einer verbrecherischen That entschlossen. Im Begrilf dieselbe auszuführen wird er durch die strafende Hand einer höheren Macht nun wirklich in Schmach und Schande gestürzt. Mit entschlossenem Muthe entsagt er dem Leben um diesem unerträg- lichen Zustande zu entgehen. Aber die strafende Hand reicht auch noch über den Tod hinaus. Auch im Tode noch kann seine Ehre angetastet werden, wenn das Begräbniss, dessen Entbehrung den Alten fast noch schlimmer erschien als der Tod selbst, ihm versagt bleibt. Mit ängstlicher Bangigkeit sehen wir, indem wir uns in diese Auffassungsweise der Alten versetzen, ihn noch einmal in seinem höchsten Gute bedroht, bis endlich, nachdem sie gezeigt hat, wie auch durch den Tod der Frevler nicht ihrer Gewalt entgehen kann, die versöhnte Göttin durch den Mund ihres Lieblings dem gefallenen Helden die ersehnte Ruhe und die gebührende Anerkennung gewährt. Bei dieser Auffassung, wo die leizten Scenen nicht blos als Mittel zur Erreichung eines mehr oder minder wesentlichen Zweckes, sondern vielmehr als nothwendiger Fortgang und Abschluss der Handlung erscheinen, wird es uns auch klar, dass der Dichter mit weiser Kunst durch das nacheinander erfolgende Auftreten des Menelaos und Agamemnon die theilnehmende Besorgniss der Zuschauer stufenweise gesteigert und so das wohllhuende Gefühl der Ruhe und des Friedens erhöht hat, mit welchem die endliche Ausgleichung des Conflictes die Gemüther erfüllt.
Es bleibt nur noch die Frage übrig, wodurch die Götlin versöhnt sei. Dieselbe würde sich von selbst erledigen, wenn Aias mit wirklicher Reue aus dem Leben geschieden wäre. Aber wir haben die Annahme einer solchen verwerfen zu müssen geglaubt. Und doch ist die Göttin versöhnt, wie theils der weissagende Spruch des Kalchas vorausverkündigt, theils das Benehmen des stets unter Athene's Leitung handelnden Odysseus unverkennbar zeigt. Man muss hierbei an die Verschiedenheit denken, welche zwvischen der antiken und der christlichen Auffassung von göttlicher Strafe stattfindet. Wir betrachten


