Aufsatz 
Über Uhland's "Herzog Ernst"
Entstehung
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Allem eine politiſche Rolle zuwies und ihn damit tief in das weltliche Leben verſenkte, der Keim gelegt, der unter ſeinem dritten Nachfolger zu dem verderblichen Inveſtiturſtreite aufſchoß. Aber weniger dem Kaiſer kann dies zur Laſt gelegt werden, als dem unerbittlichen Geſchick, das ihn zu früh wegraffte und auch dem kräftigen, aber wenig gebildeten Konrad II. und ſeinem hochſinnigen, weitblickenden Sohne allzu kurze Zeit gönnte für die Vollendung ihrer Pläne. Im Bunde mit dem klugen und ſelbſtbewußten Papſte Benedict VIII. und mit den Cluniacenſer Mönchen würde er ohne Zweifel erfolgreich ſeine Macht und ſeinen guten Willen für die Reformation der Kirche eingeſetzt haben, die das Loſungswort des Jahrhunderts war. Und gerade damals hatte der heilige Eifer der frommen und reichgebildeten Mönche von Clugny an dem ſtrengen Anhänger ihrer Regeln, Gauzlin, dem Sohne Hugo Capets und Bruder des Königs Robert von Frankreich, einen ſtarken und mächtigen Vorkämpfer er⸗ halten, dadurch daß dieſer, der bisher Abt von Fleury geweſen, zum Erzbiſchof von Bourges erhoben ward und ſich mit Hülfe Benedicts gegen die Anfechtungen des franzöſiſchen Episcopats in dieſer einflußreichen Stellung behauptete. Und jemehr die deutſchen Biſchöfe, voran der unbeugſame Aribo, der kurz vorher aus der kaiſerlichen Kanzlei auf den erzbiſchöflichen Stuhl von Mainz erhoben worden war, nach einer vom Papſte unabhän⸗ gigen Stellung ſtrebten, was die berühmten Beſchlüſſe der von ihm zuſammenberufenen Seligenſtadter Synode(1022) be⸗ weiſen: deſto eifriger ſuchte der Kaiſer mit ſeinen Verbündeten eine durchgreifende Regelung der kirchlichen Verhältniſſe herbei⸗ zuführen. Noch im Jahre vor ſeinem Tode hatte er zu dieſem Zwecke eine Zuſammenkunft mit König Robert bei Ivois am Ausfluß des Chiers in die Maas und die Fürſten verabredeten eine neue Zuſammenkunft mit dem Papſte in Pavia, bei der ein allgemeines Concil der lateiniſchen Kirche gehalten werden ſollte. Und ſchon war Erzbiſchof Pilegrin von Cöln mit Ehren überhäuft von dem über die Botſchaft hoch erfreuten Papſte Muſterſchule. 2