Aufsatz 
Zur Organisation des naturgeschichtlichen Unterrichts an unserem Gymnasium / von G. Weihrich
Entstehung
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IV. Zur Chronil des Gymnasiums.

Durch Allerhöchste Entschliessung Seiner Königlichen Hoheit des Grossherzogs vom 23. August v. J. wurde der Gymnasiallehrer Prof. Dr. Keller zum Director des Grossherzoglichen Gymnasiums in Bensheim ernannt. Seit Januar 1853, also nahezu 25 Jahre, hat derselbe am hiesigen Gymnasium mit Eifer, Umsicht und gesegnetem Erfolge gewirkt. Unsere besten Wünsche begleiten ihn in seine neue Berufsthätigkeit.

Der durch Allerhöchstes Decret vom 31. Mai v. J. ernannte Gymnasiallehrer Dr. Maurer trat mit Beginn des Schuljahres in das Lehrercollegium unserer Anstalt ein.

Durch Ministerialrescript vom 3. September v. J. wurde dem Gymnasiallehramts-Accessisten Johannes Vogt, welcher am 27. Juni v. J. den Access angetreten hatte, die Verwaltung einer Lehrerstelle am Gymnasium übertragen.

Diese Vermehrung der Lehrkräfte machte es möglich, die bereits längst wünschenswerthe Theilung der Sexta in zwei Parallelcötus eintreten zu lassen, und es wurde demnach der Unterricht in 14 getrennten Klassen eröffnet.

Leider erlitt derselbe durch ungewöhnlich zahlreiche Krankheitsfälle im Lehrercollegium beklagenswerthe Störungen. Mehrere Collegen mussten in Folge von Unwohlsein auf einzelne Tage ihren Unterricht aussetzen; die Gymnasiallehrer Weihrich und Dr. Diehl wurden auf längere Zeit, ersterer vom 29. Januar bis Ostern, letz- terer vom 30. März bis Ostern, durch bedenkliche Erkrankung ihrer amtlichen Thätigkeit entzogen. Die Ver- tretung des Collegen Weihrich übernahm gemäss Ministerialverfügung vom 18. Februar der Gymnasial- und Realschul-Lehramts-Accessist Dr. August Nies; die Stunden des Collegen Dr. Diehl wurden so viel als mög- lich durch die anderen Mitglieder des Lehrercollegiums ertheilt.

Am 27. Mai sah sich Prof. Dr. Beck, bereits längere Zeit leidend, durch das entschiedene Gebot des Arztes genöthigt, seinen Unterricht einzustellen. Er sollte das Gymnasium nicht wieder betreten. Nach schweren Leiden starb er bereits am 14. Juni während der Pfingstferien. Von tiefem Schmerz erfüllt geleiteten die an- wesenden Lehrer und Schüler mit vielen anderen Leidtragenden die irdische Hülle des allzu früh Entschlafenen am 15. Juni zur letzten Ruhestätte.

Ferdinand Anton Beck wurde geboren am 27. März 1819 zu Höchst im Odenwalde. Nach vollendeten Gymnasial- und Universitätsstudien war er auf kurze Zeit am Gymnasium zu Darmstadt beschäftigt und wirkte sodann von 1840 bis 1854 an der Realschule zu Alzey, von 1854 bis 1873 am Gymnasium zu Giessen. Unter dem 12. September 1868 erhielt er den Charakter als Professor und wurde durch Allerhöchstes Decret vom 3. April 1873 an das hiesige Gymnasium berufen. Seine hervorragenden Geistes- und Herzensgaben, insbesondere seine unermüdliche Pflichttreue, seine milde Humanität und sein biederer Charakter erwarben ihm, wie in seinen frühe- ren amtlichen Stellungen, so auch hier zahlreiche Freunde und die Achtung und Liebe seiner Collegen und Schüler. Seine wissenschaftliche Tüchtigkeit bekundete er für weitere Kreise durch mehrere treffliche Schriften über seinen Lieblingsdichter Horatius und über die Gesundheitspflege in der Schule. Der Verlust, den das Gymnasium durch seinen Tod erlitt, ist schwer zu ersetzen. Alle, die ihm im Leben nahe standen, werden ihm ein treues, dau- erndes Andenken bewahren.

Die Unterrichtsstunden des verstorbenen Prof. Dr. Beck übernahmen der Director, Prof. Dr. Noiré, Gymnasiallehrer Schlenger, Dr. Schall und Dr. Umpfenbach.

Die an unserer Anstalt übliche Gedenkfeier zur Erinnerung an die glorreichen Ereignisse der Jahre 1870 und 1871 wurde am 10. Mai in herkömmlicher Weise abgehalten. An den Gesang- und Rede-Actus schlossen sich Ausflüge der Schüler nach dem Leniaberg, Gross-Gerau, Schlangenbad und Bingen.

Auch bei den Schülern haben wir leider einen Todesfall zu verzeichnen. Am 2. August starb nach kurzem Leiden der sehr brave und fleissige Untersecundaner Josef Trablé aus Büdesheim. Mehrere Lehrer und Schüler wohnten der Beerdigung bei, welche am 4. August in seinem Geburtsorte stattfand.

Im Sommerhalbjahr war den Schülern aller Klassen unter Aufsicht von Lehrern in der Ohaus'schen Bade- anstalt unentgeltliche Gelegenheit zum Baden und Schwimmen geboten.