— 19—
für Zweck und Ziel der Schöpfung habe.„Eine bewußtloſe Zweckmäßigkeit iſt zwar das Faktum der bildenden Natur, aber nicht mehr, als ein Faktum. Wenn man in dem Worte ſchon das Räthſel glaubt gelöſt zu haben, ſo hat man es vielmehr nur geſchärft; denn wie kann die tief⸗ ſinnige Zweckmäßigkeit bewußtlos und blind gedacht werden? Der zum Grunde liegende Gedanke iſt kein ſtummes Bild, wie die Figur auf der Tafel; denn er will Etwas. Wollen aber und wirken kann der Gedanke nur, wenn er der Gedanke eines denkenden Weſens iſt, in welchem thätiges Denken mit phyſiſcher Bewegung in regelmäßiger kauſaler Verbindung ſich befinden.“¹)
Was ſo von der Natur, was von den Geſetzen des menſchlichen Denkens gilt, daß das bloße Erfahrungswiſſen dem forſchenden Menſchengeiſte nicht genügt, daß ſie ihre letzte Begrün⸗ dung und Wahrheit vermittelſt der philoſophiſchen Erkenntniß nur in der Urvernunft eines ab⸗ ſoluten perſönlichen Weſens finden, das läßt ſich auch auf die Sprache, das Korrelat der Ver⸗ nunft, das in artikulierten Lauten hörbar werdende Denken anwenden. Wenn in ihr, wie nicht zu leugnen, Vernunft und Zweckmäßigkeit und zwar in allen ihren Theilen zu finden iſt, ſo iſt dieſe nur zu erklären aus der ihr zu Grunde liegenden Idee in Gott, die zugleich dem menſch⸗ lichen Geiſte als plaſtiſche Macht eingeboren iſt. Der menſchliche Geiſt, nach allen ihm zukom⸗ menden weſentlichen Beziehungen von Ewigkeit in Gott vorgeſehen, tritt zur beſtimmten Zeit ins irdiſche Daſein, um ſeinen vorbewußten Gehalt, die eingeborne Tiefe und Fülle ſeines Weſens, für ſich in Klarheit und Unterſcheidbarkeit herauszuleben. Von der Leibesgeſtalt an, welche ſich als bleibendes Abbild der geſammten Seeleneigenthümlichkeit ²), als Vollgeberde derſelben bezeichnen läßt, durch die mimiſche Selbſtdarſtellung in Leibesbewegung und Mienenſpiel hindurch gibt die Seele als inſtinktbehaftetes Triebweſen, das in unbewußter Anticipation, in idealer Vor⸗ ausnahme ſchon beſitzen muß, was es werden ſoll, und was zu werden es eben damit durch ſich ſelbſt getrieben iſt, ihr Inneres und ſeine Veränderungen in räumlichen Bildern kund. Als die höchſte Stufe aber und vollendetſte Form der unbewußten und inſtinktiven Thätigkeit des Geiſtes, als die vollkommenſte Geberde oder das ausgebildetſte Syſtem der Zeichen, in denen der Geiſt ſein Inneres darſtellt, iſt die Sprache zu betrachten. Wie nämlich der Leib das nothwendige Organ der Seele iſt, deſſen ſie bedarf, um ſich zu der Außenwelt in Beziehung zu ſetzen, ſich mit ihr zu vermitteln; ſo iſt die Sprache das unentbehrlichſte Organ und Werk⸗
¹) S. Lazarus, über die Ideen der Geſchichte in der Zeitſchrift für Völkerpſychologie, III. S. 447.„Nur unter Vorausſetzung eines durch abſolute Intelligenz entworfenen Vorbildes wird überhaupt die Möglichkeit eines ſo vernunftvoll gegliederten Weltganzen denkbar. Seinen Urſprung aus bloßem Zufall oder aus einer blind wirkenden Nothwendigkeit abzuleiten, bleibt eine Annahme von ſo großer, ſo unverhältnißmäßiger Unwahrſcheinlichkeit, daß ſie einer logiſchen Ungereimtheitvöllig gleich zu achten iſt.“ J. H. Fichte, Seelenfortdauer, S. 254. ²) To να σmμαινοO-xuνmοs„doο ris orα τ σ‿μαα τ* wugfe. Pythagoras und Sextus Empiricus.
3*


