Aufsatz 
Zur Geschichte der Selektenschule
Entstehung
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beſſerung, als die Klaſſenzimmer im Dominikanerkloſter Manches zu wünſchen übrig ließen, und die Lage des neuen Schulhauſes im Mittelpunkte der Stadt eine bedeutend vortheilhaftere war. Schade, daß das Haus zu klein angelegt war, wie ſich ſchon bald nachher herausſtellte.

Gleichzeitig mit der Ueberſiedelung der Schule in das neue Gebäude übernahm Profeſſor Dr. Steingaß, Geſchichtslehrer für die katholiſchen Schüler am hieſigen Gymnaſium, an Stelle des abgetretenen Kooperators Fell und nach einer kurzen interimiſtiſchen Verwaltung des Inſpektorates durch Kaplan Maus, die Leitung der Anſtalt. Als akademiſch gebildeter, philologiſcher Lehrer mußte er mit Recht ein großes Gewicht auf den Unterricht in den alten Sprachen legen. Daher ſuchte er vor allem die progymnaſiale Seite der Anſtalt, die ohnehin in ihrem damaligen Zuſtande kaum lebensfähig war, zu erweitern und zu heben. Sollte das Progymnaſium einiger⸗ maßen ſeinem urſprünglichen Zwecke entſprechen, nämlich den ſtudie⸗ renden kath. Schülern die Vorbereitung zum h. Abendmahle und die erſte religiöſe Bildung in einer kath. Anſtalt gewähren; ſo mußte es dieſe Schüler wenigſtens zum Eintritt in die III des Gymnaſiums vorbereiten. Daher wurden die Stunden für den lateiniſchen Unterricht in der II. und III. Klaſſe um je 2 und in IV. um 4 Stunden, ſowie für den griechiſchen um 1 Stunde wöchentlich vermehrt. Da aber die Gymnaſialſchüler in IV. auf dieſe Weiſe 4 Stunden Griechiſch hatten, an welchen die Realſchüler nicht Theil nahmen, ſo wurden die letzteren in gleichzeitigen Parallelſtunden in der Phyſik und deutſchen Sprache beſonders unterrichtet).

Um die Lehrer in Folge des erweiterten Stundenplans nicht zu ſehr mit Stunden zu überbürden, ſuchte Steingaß einen zweiten philologiſchen Lehrer für die Anſtalt zu gewinnen; allein die Ver⸗

¹) S. im Anhang den Lehrplan 3. c.