Aufsatz 
Zur Geschichte der Selektenschule
Entstehung
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dorthin*). Für die Knaben aber, welche ſich dem Kaufmanns⸗ oder höheren Gewerbſtande widmeten, behielt die Gemeinde die bisher mit dem Fridericianum vereinigte Realſchule als eine für ſich beſtehende beſondere Lehranſtalt, zu welcher die in eine ſoge⸗ nannte Bürgerſchule umgewandelte Trivialſchule am Dom die Vor⸗ bereitung gewähren ſollte. Nach dem gedruckten Lehrplan aus dem Jahre 1812 beſtand dieſe Bürgerſchule aus drei Klaſſen, jede mit zwei Abtheilungen; die wöchentliche Stundenzahl war 26; der Kurſus jeder Klaſſe dauerte zwei Jahre; der Lehrplan umfaßte die Gegen⸗ ſtände des gewöhnlichen Volksunterrichts in zweckmäßiger Anordnung und Stufenfolge. Auf die letzte Klaſſe der Bürgerſchule folgte die Realſchule, die eine Klaſſe mit zweijährigem Lehrkurſe und 30 Stunden wöchentlichen Unterrichts hatte, ſo daß alſo der geſammte Unterricht an der Bürger⸗ und Realſchule acht Jahre umfaßte. Die Lehrgegenſtände an der Realſchule waren deutſche und franzöſiſche Sprache, Weltgeſchichte, Erdbeſchreibung, Naturgeſchichte, Natur⸗ lehre, Anthropologie, Mathematik, deutſches und franzöſiſches Schön⸗ ſchreiben und Zeichnen*). An der Spitze der beiden Schulen ſtand ein eigener Direktor, der zugleich mit der inneren Leitung des katholiſchen Schulweſens betraut war. Dieſe Einrichtung, durch welche das geſammte katholiſche Schulweſen Frankfurts einen inne⸗ ren Zuſammenhang erhielt, war von hoher Wichtigkeit für die Förderung deſſelben).

¹) Wenn die Notiz, die ich in einem Berichte des geiſtlichen Rathes Orth gefunden, genau iſt, ſo gingen damals 70 Schüler aus dem Fridericianum an das gemeinſame Gymnaſium über.

²) S. d. Anhang II. 2.

³) Die Inſtruktion des Directors, welche einen beſtimmten Einblick in den Schulorganismus gewährt, ſagt unter andern: Der Direktor iſt für das Lehrerperſonal die erſte Inſtanz in allen Schulangelegenheiten. Es obliegt ihm, auf den guten Zuſtand ſämmtlicher k. Schulen zu wachen, die Auf⸗