Aufsatz 
Über Ursprung und Wesen der Sprache
Entstehung
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änderung des Wurzel⸗- und Stammvokals(Ablaut), vgl. brechen, brach, Bruch, geben, Gabe, gäbe, theils in Anſätzen, die das Wort zu Anfang oder am Ende erhält(Präfixe und Suffixe), und die in der ausgebildeten Sprache entweder nicht mehr als ſelbſtändige Wörter vorkommen, oder die auch iſoliert und für ſich allein als ſelbſtändige Wörter erſcheinen(Derivation oder Ableitung und Kompoſition oder Zuſammenſetzung), vgl. fruchtbar, befruchten, Fruchtknoten.

Größere Schwierigkeit bietet die Flexion oder Wortbiegung, wodurch die Beziehungen der Wörter untereinander und zum Sub⸗ jekte ausgedrückt werden. Wenn bedeutende Grammatiker ¹) noch vor nicht langer Zeit der Meinung waren, die Flexionsſylben wüchſen organiſch aus dem Stamme heraus, ſo bricht ſich jetzt insbeſondere in Folge der Sprachvergleichung und der Herbeiziehung des Sanskrit mehr und mehr die Ueberzeugung Bahn, daß die ſämmtlichen Flexionsen⸗ dungen theils aus ſymboliſch bedeutſamen Lauten, wie die Geſchlechts⸗, Numerus⸗ und Kaſusendungen der Nomina und Pronomina, theils aus urſprünglich ſelbſtändigen und erſt allmählich zu Flexionsſylben abge⸗ ſchliffenen Wurzeln und Stämmen beſtehen, vgl. ich hörte= ich that hören, engl. I did hear, ahd. hör-te ſt. hör-teta, goth. hausi- da ſt. hausi-deda, im Plural ahd. hôr-tumes ſt. hoôr-tâtumes, goth. hausi dédum= hören thaten wir; j'aime-rai aus j'ai aimer; doucement aus dulcimente. Da die Flexionsformen weſentlich dieſelbe Bedeutung haben, wie die Formwörter, ſo erklärt ſich der leichte Uebergang der erſteren in die letzteren, wovon wir in den neue⸗ ren Sprachen viele Beiſpiele haben, vgl. in den romaniſchen Sprachen die Deklination mit den Präpoſitionen de und à und dem Artikel ſtatt der Kaſusendungen, die Vorſetzung der Perſonalpronomina vor das Verbum ſtatt der Perſonenendungen, die Bildung der Ver⸗ gleichungsſtufen durch Vorſetzung von Adverbien des Grades ſtatt der Endungen u. ſ. w.

Was nun die Formwörter betrifft, dieſe zweite große Klaſſe der Wörter, welche die Beziehungen der Dinge unter einander und zum Subjekte bezeichnen, ſo unterſcheiden ſie ſich, wie in ihrer Bedeutung, auch in ihrer Entſtehung von den Begriffswörtern. Während der

¹) Unter andern Ferdinand Becker im Organismus S. 19.