Aufsatz 
Über den Begriff und die Bedeutung der Nationalität überhaupt und die Pflege der deutschen Nationalität durch Unterricht und Erziehung insbesondere
Entstehung
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Vieles lernen. So geſchieht in den franzöſiſchen Schulen Alles, der franzöſiſchen Jugend die Geſchichte Frankreichs recht glänzend und eindringlich darzuſtellen. Frühzeitig wird die Jugend zur Theilnahme an Allem, was den Ruhm Frankreichs betrifft mit herbeigezogen ¹). Wenn wir nun auch nach unſerm weitherzigen, weltbürgerlichen Charakter nicht ſoweit gehen können, als unſere überrheiniſchen Nach⸗ baren; ſo würden wir doch gut thun, mehr als bisher die vaterlän⸗ diſche Geſchichte dem Gemüthe der Jugend nahe zu bringen. Dieſes könnte unter andern geſchehen durch Anfertigung eines nationalen Feſtkalenders, in welchem die wichtigeren Gedenk⸗ und Ehrentage unſeres Volkes verzeichnet wären, ſowie durch die Feier eines jeden ſolchen Tages durch eine kurze lebendige Erzählung des Ereigniſſes und ein Wort der Mahnung an die Jugend.*) Auch die Verherr⸗ lichung der großen Thaten unſeres Volkes durch Werke der bildenden Kunſt und Malerei, die in den bedeutenden Mittelpunkten deutſchen

¹) So wurde, um nur ein Beiſpiel aus der neueren Zeit anzuführen, nach dem Siege der Franzoſen bei Solferino, allen Lyceen ein S8tägiger Urlaub ertheilt, damit auch die Jugend ſich freuen könne über dieſen neuen Zuwachs an nationalem Ruhm. Wenn ferner die franzöſiſche Nation ſo ziemlich darin einig iſt, daß das linke Rheinufer ihr zukomme; ſo liegt ein Haupt⸗ grund darin, daß ihr dieſe Meinung von Jugend auf anerzogen iſt. Ein anderes Mittel auf den Nationalgeiſt, insbeſondere der Jugend, zu wirken, iſt die Verherrlichung der großen Waffenthaten der Nation durch die Kunſt, beſonders die Skulptur und Malerei. Man muß das franzöſiſche National⸗ muſeum in Verſailles geſehen haben, welchesA toutes les gloires de la France gewidmet iſt, um ſich einen Begriff davon zu machen, welchen außerordentlichen Eindruck der Anblick ſo vieler Siege und ruhmvoller Waffenthaten, zum Theil von großen Meiſtern auf der Leinwand dargeſtellt, auf eine ſo ruhmſüchtige Nation, wie die Franzoſen macht. Wie ſollten ſie nicht glauben, insbeſondere die unerfahrene brauſende Jugend, Alles zu vermögen, nachdem ſie ſo Großes verrichtet!

2) S. Augsburger allgemeine Zeitung a. a. O.