Aufsatz 
Über den Begriff und die Bedeutung der Nationalität überhaupt und die Pflege der deutschen Nationalität durch Unterricht und Erziehung insbesondere
Entstehung
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der natürlich nach dem Charakter der Schule verſchieden, ausführlicher und tiefer eingehend am Gymnaſium und der Realſchule als an der Volksſchule ſein wird, mögen hier folgende Andeutungen ihre Stelle finden. Vor Allem ſind die wichtigen Begebenheiten, die großen Ereigniſſe von weltgeſchichtlicher Bedeutung in ihrer ganzen Größe und Wichtig⸗ keit zu würdigen, ſowie die Männer, die in ihnen thatkräftig auf⸗ treten, mit aller Wärme und Begeiſterung zu ſchildern und der Jugend als Muſter der Nachahmung aufzuſtellen. Wir halten es nämlich nicht für wohlgethan, wenn überall nur die dunkelen Partien und die Schattenſeiten im Leben unſeres Volkes hervorgehoben und zum Ge⸗ genſtande ſtrenger Kritik und Splitterrichterei gemacht werden, wozu der Deutſche in Bezug auf das Vaterländiſche leider ſoviel Anlage hat. Im Gegentheil ſoll die Jugend ſo viel möglich zur Bewunderung, dieſer für dieſelbe ſo wichtigen Eigenſchaft entflammt werden ¹).Wer der Jugend die rechte Herzenswärme der Liebe, die Fähigkeit, beſchei⸗ den und in Ehrfurcht Großes anzuerkennen und an ihm ſich zu er⸗ heben, erhalten wiſſen will, der muß dieſe Geſinnungen auch Menſchen gegenüber pflanzen und pflegen. Wir ſehen nicht ab, wie man Vater⸗ landsliebe in die deutſche Jugend pflanzen kann, wenn man die großen Männer, die Deutſchland hervorgebracht, ihr nicht zu Gegenſtänden der Verehrung macht. Religiöſe Sittlichkeit und Vaterlandsliebe, ſagt der Miniſter v. Stein, ſind die einzigen nicht zu erſchütternden Träger des Charakters, für welche die Jugend zu gewinnen, eine der wichtigſten, aber auch ſchwerſten Aufgaben der Erziehung bildet.*) Welches ſind nun zunächſt im politiſchen Leben des deutſchen Volkes

¹) Vgl.Ueber den Affekt der Bewunderung und CEhrfurcht in Baaders Werken Bd. I. Wie ſchon im Alterthume Plato und Ariſtoteles betrachtet Baader den Affekt der Bewunderung und Ehrfurcht als den Beginn der Philoſophie. Man kann nicht wahrhaft lieben, was man nicht achtet, und umgekehrt. Das Horaziſche: Nil admirari hat nur Recht, inſofern es zum Bewundern des allein Bewundernswerthen führt.

²¹) S. Pädagogiſcher Jahresbericht a. a. O. S. 240.